"Noten für Pflegeheime sollten anders gewichtet werden"
Interview mit dem Geschäftsführer des Ahnsener Altenheims über Kontrollen und die neue Bewertung
AHNSEN. Seit Sommer vergangenen Jahres kontrolliert der Medizinische Dienst der Krankenkassen unangemeldet alle Pflegeheime und ambulanten Pflegedienste und benotet ihre Arbeit. Die Bewertung ist bei vielen Heimbetreibern und Sozialverbänden umstritten.
Die Heime erhalten eine Note, die sich aus vier Bereichen und 82 Einzelkriterien zusammensetzt: Pflege und medizinische Versorgung; Umgang mit Dementen; soziale Betreuung und Alltagsgestaltung; Wohnen, Verpflegung und Hygiene. Außerdem werden Bewohner befragt. Die Ergebnisse der Prüfung sind im Internet einsehbar.
Das privat geführte Altenheim in Ahnsen ist das erste Heim aus unserer Region, dessen Prüfbericht dort eingestellt wurde. Geschäftsführer Alexander Müller spricht im Interview über die Kontrolle.
Herr Müller, wie beurteilen Sie die neuen Bewertungen?
Grundsätzlich halte ich die Kontrollen für notwendig, um Missstände aufzudecken.
Die Noten sollen die Arbeit der Heime transparenter machen und Interessenten bei der Wahl eines Heimplatzes helfen. Das funktioniert meiner Meinung nach noch nicht so gut, weil die Bewertung in einigen Punkten irreführend ist.
Können Sie dafür Beispiele nennen?
In der Gesamtnote kann zum Beispiel eine schlechte Pflege mit gutem Essen ausgeglichen werden. Das darf nicht sein. Andererseits kann es aber auch passieren, dass man eine gute Pflege durchführt, aber wegen einer fehlerhaften oder mangelnden Dokumentation eine schlechtere Note bekommt.
Selbstverständlich muss professionelle Pflege gut geplant und dokumentiert werden. Aber ich fände es sinnvoll, wenn das in der Bewertung anders gewichtet würde. Außerdem finde ich es auch nicht ganz unerheblich, ob den Bewohnern Privatsphäre durch Einzelzimmer und ein eigenes Bad angeboten wird. Bei uns ist das der Fall aber es hat keinerlei Einfluss auf die Bewertung, obwohl es für mich ein ganz wichtiges Kriterium ist, um würdevoll zu pflegen. Das Entscheidende ist doch, dass die Bewohner gut versorgt sind und sich wohl fühlen. Ihre Meinung sollte sich auch in der Note widerspiegeln.
Die Meinung der Bewohner geht nicht in die Gesamtnote ein, weil sie möglicherweise kein objektives Urteil abgeben.
Das sehe ich anders. Ich denke, dass die Bewohner unseres Hauses ehrlich sagen, was ihnen gefällt und was nicht. Es ist ganz wichtig, ihnen zu signalisieren, dass Kritik willkommen ist und darauf eingegangen wird. Bei uns gibt es zum Beispiel einen sehr aktiven Heimbeirat, an den sich jeder bei Problemen wenden kann. Schade fand ich, dass der Heimbeirat bei der Prüfung nicht mit einbezogen wurde.
Ihr Heim hat die Gesamtnote 2,4 bekommen. Sind Sie damit zufrieden?
Ich bin sehr zufrieden mit unserem Haus, unabhängig von den Benotungen. Was die Noten angeht: Im ersten Bereich "Pflege und medizinische Versorgung" haben wir eine 4 bekommen, weil es Defizite in der Dokumentation und der Planung gab. In diesem Fall wurde uns die Überprüfung zur Hilfe. Daran haben wir inzwischen gearbeitet.
Aber gerade Laien, für die diese Transparenzberichte ja in erster Linie gemacht sind, denken bei einer Note 4 im Bereich "Pflege" doch eher an die durchgeführte Pflege und ein "ausreichend" ist dem Pflegezustand unserer Heimbewohner nicht angemessen.
Rechnen Sie damit, dass die Bewertung Einfluss auf die Belegung Ihres Heimes hat?
Eher nicht. Die meisten unserer Bewohner kommen über Mundpropaganda zu uns. Außerdem haben wir regelmäßig Veranstaltungen, um uns und unsere Arbeit in der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Grundsätzlich empfehle ich allen Menschen, die einen Heimplatz suchen, sich mehrere Pflegeheime anzuschauen und mit den Bewohnern, deren Angehörigen und den Mitarbeitern zu reden. Dann bekommt man einen direkten Eindruck von der Einrichtung.











