400 Teves-Kollegen spenden Hoffnung
Vater organisiert groß angelegte Stammzellen-Typisierung – Siebenjähriger Tochter droht Leukämie
Für einen Mitarbeiter im Continental-Teves-Werk ist der gestrige Arbeitstag ein Tag voller Emotionen und Glücksgefühle geworden.
Den 43-Jährigen beschäftigt seit Dezember vorigen Jahres ein besonderes Schicksal: Bei einer ärztlichen Untersuchung seiner sieben Jahre alten Tochter wurde die niederschmetternde Diagnose "MDS" gestellt. Die Krankheit – eine Störung des zentralen blutbildenden Systems – bedeutet die Vorstufe zur Leukämie, dem Blutkrebs.
"Für uns hat sich von einem Tag auf den anderen einfach alles geändert", berichtete der Familienvater aus Meinersen, der mit Rücksicht auf seine Familie nicht namentlich genannt werden möchte. Dennoch sei es ein großer Glücksfall gewesen, dass die Krankheit in einem frühen Stadium erkannt wurde. Einzige Möglichkeit, das Risiko einer lebensbedrohenden Entwicklung auszuschließen, ist eine Stammzellentransplantation durch eine Knochenmarkspende.
Voraussetzung für eine solche Transplantation ist die Übereinstimmung von mindestens acht Gewebemerkmalen. Um einen geeigneten Spender für seine Tochter zu finden, hatte sich der Vater an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) gewandt und mit ihr eine Typisierungsaktion organisiert.
Hierfür stellte sein Arbeitgeber gestern die Werkskantine zur Verfügung. Bereits im Vorfeld hatten sich mehr als 400 Kollegen des 43-Jährigen angemeldet, um sich eine Blutprobe abnehmen zu lassen und damit festzustellen, ob sie als Knochenmarkspender in Frage kommen.
"Ich habe selbst eine Tochter in dem Alter. Deshalb habe ich gar nicht lange überlegt ", sagte Melanie Ruß, eine Werkskollegin. Dabei war es ihr vollkommen egal, dass sie den Kollegen aus der Controlling-Abteilung gar nicht kannte. Nach vier Stunden hatten sich bereits 300 Werksangehörige ihre Blutprobe abnehmen lassen. "Alle Mitarbeiter, die nicht hier dabei sein können, weil sie erst zur Spätschicht kommen, nehmen einen Wattestab mit nach Hause", sagte Personalchef Jörg Nimoth. Damit könnten sie sich selbst eine Speichelprobe entnehmen, die sie an die DKMS schicken. So werden alle potentiellen Spender in die weltweite Datei aufgenommen.
"Das ist ein Viertel der gesamten Belegschaft", freute sich der Vater über die riesige Spendebereitschaft. "Das ist ein fantastisches Gefühl, ich habe schon den ganzen Tag ein Lächeln auf dem Gesicht. Und wenn ich das heute Abend meiner Frau erzähle..."
Die Siebenjährige darf sich Hoffnung auf Heilung machen. Etwa 80 Prozent aller Patienten werden von der DKMS an Spender vermittelt. Das entspricht mehr als 3500 Transplantationen im Jahr. Das Schöne an der gestrigen Aktion: Spender aus Gifhorn könnten auch anderen Erkrankten helfen.













