Tintenfässer aus Gifhorner Produktion
Schulmuseum Steinhorst zeigt bis 6. Juni Ausstellung "Rund ums Schreiben"
Der Burgdorfer Hans-Hubertus Lenz sammelt seit etwa 30 Jahren Schreibgeräte aller Art, Zubehör, Verpackungen, Kataloge, Reklamezettel und Literatur zum Thema. Bis 6. Juni sind seine Exponate im Schulmuseum Steinhorst zu sehen.
Auf Antik- und Trödelmärkten zwischen Kopenhagen und Wien, zwischen Brüssel und Berlin, vor allem aber auf den Märkten in Hannover und im näheren Umfeld entging dem kritischen Sammlerauge kaum etwas.
Zur Ausstellungseröffnung am Donnerstagabend erzählte Lenz den rund 70 Besuchern auch einiges zur Geschichte der zahlreich ausgestellten Utensilien: Früher nämlich musste man sich seinen Gänsekiel erst mühsam zurechtschneiden. Der Griffel auf der Schiefertafel war zwar bekannt für seine unangenehmen quietschenden Geräusche, aber weniger für seine gute Eignung als Schreibgerät. Die Spitzfeder schließlich war – zumindest in einer ungeübten Hand – eher eine "Spritzfeder" und manch tintenbekleckstes Schulheftblatt das Resultat.
Es gehörte zur damaligen Zeit, dass man mit seinen Schreibgeräten sorgsam und sparsam umging. Beredte Zeugen dieser Werthaltung sind zum Beispiel die heute kaum noch bekannten Utensilien wie der Bleistiftverlängerer oder ein vom Prinzip her ebenso funktionierender Radiergummihalter.
Mit dem Aufkommen neuer Materialien und neuer Technologien setzte die Massenproduktion ein und damit letztlich auch die Wertschätzung des einzelnen Schreibgeräts. Da wirkten auch politische Vorgaben zur Schriftgestaltung und der Zeitgeschmack. Das Schreibgerät war damit nicht mehr allein ein Gebrauchsgegenstand, sondern entwickelte sich teilweise zum Werbeträger, zum "Schreibnippes", der die eigentliche Funktion nur noch nebenbei erledigte.
Ebenfalls zurzeit im Fundus des Schulmuseums befinden sich passend zu den Schreibgeräten Tintenfässer aus ursprünglich Gifhorner Produktion. Zwischen 1871 und 1960 war in Gifhorn eine Glashütte ansässig. Sie stellte Gebrauchsglas für unterschiedlichste Anwendungsbereiche her. Zur Palette gehörten medizinische Tropfgläser und Parfümflakons ebenso wie Grubenlampenzylinder oder eben Tintenfässer.
Bei Ausgrabungen stieß man im vergangenen Jahr auf große Mengen an Glasabfällen. Offenkundig hatte die Glashütte dort früher Über- und Fehlproduktionen entsorgt. Bei der Bergung wurden nicht weniger als 1500 Tintenfässer aus der Erde geholt. Eine repräsentative Auswahl davon wird in der Ausstellung zum ersten Mal öffentlich präsentiert.
"Ich war sehr positiv überrascht über das große Interesse", freute sich Museumsleiter Wolfgang Böser. "Hier geht es um Massenartikel, und das wollen wir zeigen." Daher seien auch alle Vitrinen verwendet, die das Museum hat.
Aber auch die Literatur kam bei der Ausstellungseröffnung nicht zu kurz: Der Bargfelder Antiquar und Rezitator Hermann Wiedenroth hat eigens dafür skurril-amüsante Passagen aus der Literatur zur Thematik "Schreiben/Schreibgeräte" herausgesucht und in seiner gewohnt lockeren Art zum Besten geben. red/rs













