"Vernunft allein hilft nicht weiter"
Polizei-Experte setzt auf lärmende Markierungen, Schutzplanken und andere Hilfsmittel gegen Fahrfehler
An 15 Stellen kreisweit hat die Polizei Unfallhäufungsstellen ausgemacht. Sie sind Teil der Verkehrsunfallbilanz für 2009 (wir berichteten).
Weil man "mit Vernunft und Schulmeisterei allein nicht weiterkommt", um menschliches Fehlverhalten einzudämmen, setzt Gifhorns Verkehrsexperte Reinhard Preuß auf materielle Einflussnahmen an und auf den Pisten.
Drei Kriterien unterscheidet die Polizei, um von Unfallhäufungen zu sprechen: fünf Unfälle gleichen Typs innerhalb eines Jahres, drei Unfälle mit Schwerverletzten oder Toten innerhalb von drei Jahren auf demselben ein Kilometer langen Abschnitt oder drei Aufprallunfälle gegen Bäume mit Schwerverletzten oder Toten innerhalb von fünf Jahren auf derselben ein Kilometer langen Strecke.
Eine Rangordnung weise seine Statistik nicht aus, erklärte Preuß. Sie sei lediglich nach Bundes-, Landes- und Kreisstraßen gestaffelt.
So sind etwa Fahrer auf der B 4/L 284 in der Gemarkung Wesendorf sowie an der Meinerser Kreuzung Am Eichenkamp/Petersburg/Uhlenkamp/Waldstraße wegen Vorfahrtsdelikten aufgefallen.
Neu in der Liste ist eine Kurve im Zuge der K 56 in der Gemarkung Adenbüttel, wo es dreimal auf nasser, einmal auf winterglatter Straße krachte. Dieser Abschnitt wird Preuß zufolge bereits von der Kreisverwaltung untersucht, denn die Unfallursachen deuteten darauf hin, "dass der Asphalt hin ist".
Von einem 500 Meter langen Stück auf der B 4 in der Gemarkung von Groß Oesingen meldet die Statistik drei Unfälle, weil der Fahrer abgelenkt oder eingeschlafen war. Bei einem vierten sei Alkohol mit im Spiel gewesen.
Weil die Unfallforschung errechnet habe, dass zwei dieser Unfälle hätten vermieden werden können, wären die Fahrer nur 0,6 Sekunden früher wach geworden, vertraut Polizei-Experte Preuß auf ein Pilotprojekt, das im vorigen Sommer initiiert wurde.
Demzufolge ist auf dem Streckenabschnitt zwischen Groß Oesingen und Wichelnförth eine quergeriffelte Fahrbahnrandmarkierung aufgebracht worden, die beim Überfahren lärme. Zirka 2000 Euro je Kilometer koste diese Gegenmaßnahme, in diesem Fall vom Bund bezahlt.
Dieses Hilfsmittel "sollte bundesweit auf allen langen Geraden Standard werden", die an Wäldern oder Bäumen vorbeiführten, fordert der Gifhorner. Nachweislich werde beispielsweise auf Alleen zu schnell gefahren, weil sich die Fahrer – animiert durch das harmlose Naturschauspiel – wohl fühlten und keine Gefahr vermuteten. 135 Baumunfälle hatte die Polizei im vergangenen Jahr aufgenommen.
Bestätigt fühlt sich Preuß etwa durch Präventionen südlich von Müden oder zwischen Bechts- und Abbesbüttel. Dort suggerierten Schutzplanken vor den Bäumen anders als die Stämme selbst eine Gefahrenstelle und "verändern das Fahrverhalten". Auch im Umfeld von Starenkästen, die zumindest Kontrollmöglichkeiten unterstellen, würden keine schweren Unfälle mehr registriert, interpretierte er die Zahlenwerke.
Als entschärfte Unfallstellen weist die Statistik die B 4 bei Kästorf aus, die Kreuzung B 188/K 114/K 31-1, die B 244 zwischen Croya und Zicherie, die L 288 bei Boitzenhagen sowie die Kreuzung K 7/Handwerkerring in Hankensbüttel.













