Experte: Rechte Szene rekrutiert ihren Nachwuchs in den Dörfern
Vortrag und Diskussion über Rechtsradikalismus in der Region
GIFHORN. Als ergänzender Baustein zum Tagesprojekt "Rechtsextremismus in Deutschland und Gifhorn" der Fritz-Reuter-Realschule fand in der Kreisvolkshochschule (KVHS) ein Vortrag mit Diskussion statt.
Dabei gab Michael Neu, pädagogischer Mitarbeiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt, Einblicke in Aufbau, Strukturen, Erscheinungsformen und Strategien der Nachwuchsrekrutierung der rechten Szene. Er machte die klaren Abstufungen deutlich, mit denen sehr differenziert zwischen Volks- und Gesellschaftsgruppen unterschieden und so Menschenfeindlichkeit praktiziert werde. "Man muss erkennen, wie schnell man etwa durch Krankheit von der Gruppe der Unbeteiligten in der der Ausgegrenzten landet", erläuterte Neu.
Auf die Region bezogen, nannte er Namen, zeigte Fotos mit Kurz-Vita und beschrieb die Aktivitäten der Extremisten sowie deren Vernetzung. Ob Onkelz-Fanclub, Burschenschaft, Rockergruppen, Autonome Nationalisten, Vereine oder Parteien: "Die Region ist kein Schwerpunkt, aber nicht frei von Aktivität", fasste Neu zusammen.
Eine wichtige Erkenntnis sei, dass Rechtsextreme ihren Nachwuchs bevorzugt in den Dörfern rekrutierten. "Die wenigen Freizeitmöglichkeiten begünstigen das geschickte Werben mit Musik und Erlebniswelt", sagte Neu und berichtete von Jugendlichen, die unter dem Vorwand, ein Gratiskonzert erleben zu dürfen, auf eine Großdemonstration gelockt wurden. "Das sind keine Einzelfälle, sondern das hat System."
Am Ende des Vortrags kam es zu einer heißen Diskussion, in der Jugendliche der Politik vorwarfen, zu wenig für sie zu tun, und einmal mehr etwa die Ansiedlung einer Diskothek thematisierten. "Es war zu hören, das man sich nicht wundern dürfte, wenn einige auf braune Rattenfänger hereinfallen", schloss Ulf Neumann von der KVHS und Anbieter des Fortbildungsprojekts.













