"Die Endlosigkeit kracht ins Gemüt"
Timo Müller meldete sich gestern verzweifelt zu Wort: Amnesty-Radler kämpft mit Widrigkeiten der Wüste
WEDESBÜTTEL. Er hat seinen Zielkontinent erreicht, doch Australien bringt Amnesty-Radler Timo Müller kein Glück. Da er seine Route ändern musste, hat er nun mit der Unwirtlichkeit der Wüste zu kämpfen. Gestern meldete er sich verzweifelt zu Wort: "Die Endlosigkeit hier kracht teilweise mein Gemüt zu Brei."
"Ich verkrieche mich so sehr in mich selbst, dass ich kaum noch aus mir heraus komme", schildert der 22-Jährige sein Seelenleben: "Rote Erde, bleichgrüne Eukalypten, dürre Sträucher, mannshohe Termitenhügel, flirrende Hitze und eine asphaltierte Strasse, die schnurgerade in einen knallblauen Himmel führt."
Timo Müller muss rund acht Liter Trinkwasser auf seinem Fahrrad mitführen und sich mit Sonnenmilch geradezu bespachteln. Noch schlimmer ist für ihn aber offenbar die Menschenleere des australischen Outbacks.
Zu der folgenreichen Änderung im Drehbuch hatten heftigen Monsun-Regenfälle nach seiner Ankunft im nordaustralischen Darwin geführt. "Ich stellte beängstigt fest, wie meine Planung sinnbildlich ins Wasser fiel." Um den Wassermassen zu entgehen, verabschiedete er sich von dem Plan, entlang der grünen Küste nach Sydney zu fahren: "Ein Glück, drei Tage später wurde wegen Überschwemmungen die einzige Zufahrtsstraße gesperrt und Darwin steht halb unter Wasser.!"
Doch die Fahrt durch die trockene Wüste ist nun auch kein Zuckerschlecken. "Ich fahre täglich 120 Kilometer nonstop, ohne auch nur einen Ansatz von menschlichem Leben zu erhaschen", erzählt der Wedesbütteler: "Mich erwartet schiere Leere." Die Freude, endlich durch ein englischsprachiges Land zu fahren, wich einem "Kulturschock": "Wenn ich dann mal auf Menschen treffe, sind das wahre Eigenbrödler, bärig tättowierte Busch-Aussies in 20 Menschenseelen-Dörfern."
Nun sehnt sich Müller nach dem asiatischen Menschenschlag, der ihn in China anfangs noch genervt hatte. Trotz des derzeitigen Frustes ist bei dem Amnesty-Radler aber von Aufgabe keine Spur: Er will Sydney im Mai erreichen und passiert unterwegs zur Aufmunterung ein australisches Heiligtum, den Ayers Rock.
Fotos und Spendenkonto werden auf www.cyclingforhumanrights.de gezeigt.













