Timo Müller schwelgt im Höhenflug
Amnesty-Radler ist auf der Zielgeraden gen Heimat Ankunft am Pfingstmontag Dank an alle Weggefährten
WEDESBÜTTEL. Das sind nun wirklich seine allerletzten Kilometer nach der Weltreise zugunsten der Menschenrechte. Timo Müller biegt auf die Zielgerade ein, ist in Frankfurt gelandet und strampelt derzeit die letzten 300 Kilometer gen Braunschweig. Pfingstmontag um 15 Uhr will er auf dem Rathausplatz ankommen.
Letzter Stopp auf dem australischen Kontinent war Sydney. Die Bilanz seiner Benefiztour am 412. Tag: 20 708 Kilometer und 16 605 Euro zugunsten der Menschenrechtsorganisation Amnesty International.
Just am Ende seiner Reise musste der 21-Jährige doch noch einen Wermutstropfen schlucken: "Wegen der Veröffentlichung des internationalen Jahresberichtes von Amnesty international Australia wird es keinen einzigen Medienbericht über mich in meinem Ziel geben. Meine Aktion würde wohl zu viel Medienpräsenz stehlen", vermutet der Wedesbütteler. Dennoch hat er dem Aufenthalt noch einen persönlichen Höhepunkt abgerungen: ein Informationsgespräch mit Generalkonsul Dr. Gruber in Sydney, das er selbst arrangiert hat. "Ein weiteres Em-pfehlungsschreiben mehr", freut sich Timo.
Knapp vor dem Ende seiner Tour lässt der Papenteicher seine Abenteuer und Begegnungen gedanklich Revue passieren. Und die selbst gestellte Frage, ob die ganze Plackerei überhaupt Früchte getragen hat, beantwortet er mit: "Ja, definitiv."
Was zählt, sei der immaterielle Wert. "Mein Hauptanliegen war es, Menschenrechte in den verdienten Mittelpunkt zu rücken", schreibt Timo nach seiner letzten Station. Dabei halfen ihm Berichte in Zeitungen, Fernsehnachrichten, Radio-Interviews, Vorträge in Schulen, Treffen mit Persönlichkeiten aus Politik und Verwaltung und 160 000 Besucher auf seiner Website im Internet.
"Diese Reise sollte vor allem ein Zeichen setzen", ist der Radler überzeugt. "Ich habe durch meine Strampeleien beileibe keine Diktatoren in Angst und Schrecken versetzt, doch glaube ich zutiefst, dass die Reise viele, wenn auch nur für kurz, aufmerksam machte."
Timos Fazit nach mehr als 400 Tagen Weltreise: "Eins steht fest: Braunschweig Sydney ist nicht gerade mal kurz um die Ecke." Das heißt im Rückblick:
Abschied in Braunschweig, drei Freunde bringen mich nach Polen. Erste Nacht im Wald und die bange Frage "Schaffe ich das auch alles?" Fernsehen in Polen, finnische Seenplatte, Pressekonferenz mit Amnesty in Moskau, Roter Platz, Sibirien, mongolische Steppe mit den Reitern des Dschingis Khan, Felge gerissen; Sandkasten Wüste Gobi.
1,3 Milliarden Chinesen, Null Privatsphäre, Platz des Himmlischen Friedens, enorme Sprachbarrieren, "mein" altes Kung Fu-Kloster ist zertrümmert. Dreck, Rekord-Durchfall, Frust, Berge. Radkumpan Andi taucht auf, es entsteht eine Freundschaft. Internetzensur, Amnesty ist im Land verboten.
Jungle-Mania Laos welch Paradies, Franzose Benoit und Däne Leo begleiten mich für drei Wochen auf dem Rad. So arm und doch so reich an Freundlichkeit, Mekong, Angkor Wat in Kambodscha, 42 Grad Fieber, Krankenhaus, Weihnachten, Bombenanschlag zu Silvester in Bangkok.
Diebstahl und Gerichtstermin in der Thai-Version, Flüchtlingslager nahe Burma besucht, Briefträger spielen für staatenlose Kinder zum Regierungshaus in Thailand, Kilometer fressen.
Multikulti Malaysia, Ai-Direktor Malaysias, Singapur, Flugzeug. "Ist hier noch irgend jemand?" das Outback Australiens. Ayers Rock, Great Ocean Road, Sydney.
Eins ist dem jungen Mann allerdings auch klar geworden: "Ich startete mit 20 Jahren, mit erschreckend wenig Erfahrung und Professionalität, doch mit viel jugendlicher Ungestümheit, blauäugiger Naivität und Vertrauen." Und dennoch: "Jene Erfahrungen mit Menschen, atemberaubende Landschaften und die Einsamkeit mit mir selbst waren all die Plackereien über alle Maßen wert." Den größten Dank zollt Timo Müller seiner Mutter, "die in hunderten von Stunden von zu Hause meine Reise koordinierte, unsere Website auf dem neusten Stand hielt, Telefonate erledigte und mir vor allem mütterliche Kraft gab". Und er sagt Danke an alle, die ihn während seiner Reise motivierten und das Gefühl vermittelten, "doch nicht ganz allein da draußen zu sein".













