Käßmann: "Armut gleich mangelnde Bildung"
Bischöfin bezieht Stellung zur Kinderarmut Gestern Abend Podiumsdiskussion
GIFHORN. Die Landesbischöfin der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Margot Käßmann, engagiert sich gegen Kinderarmut in Deutschland. Gestern Abend hielt Käßmann in der Gifhorner St. Nicolai-Kirche einen Vortrag zum Thema "Kinder sollen von Anfang an gefördert werden".
Im Anschluss daran diskutierte die Landesbischöfin mit der niedersächsischen Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann über die Verbesserung der Bildungschancen für sozial benachteiligte Kinder. Rundschau-Mitarbeiter Dieter Prüschenk sprach mit der Landesbischöfin.
Warum reicht die bestehende Förderung der Kinder wie etwa in Kindergärten, Schulen, Musikschulen oder Kinderchören und Sportvereinen nicht aus?
Tatsache ist, dass in Deutschland jedes sechste Kind nur unzureichend gefördert wird. In der Regel deshalb, weil es in sozial schwachen Familien lebt. Da gibt es dann die Spirale von Armut gleich mangelnde Bildung gleich wieder Armut.
Was wollen Sie verändern, um gegenzusteuern und um mehr Bildungschancen für alle zu ermöglichen?
Darauf gibt es drei Antworten: Erstens helfen wir als Landeskirche mit Schulstarter-Paketen, wie es jetzt auch in Gifhorn schon passiert. Hinzu kommen Angebote von kostenlosen, ehrenamtlichen Hausaufgabenhilfen. Zweitens vermitteln wir als Kirche religiöse Werte, die Bildung untermauern. Und drittens wollen wir, dass sozial schwache Familien Gutscheine erhalten, damit Kinder etwa Musikschulen und Sportvereine besuchen können, damit Integration statt finden kann.
Unter anderen sind die Gemeinden der Hannoverschen Landeskirche Träger von Kindergärten. Was wollen Sie im eigenen Haus ändern?
Wir wollen unsere Einrichtungen enger an die Kirchengemeinden heranführen. Dadurch wird Hilfestellung ermöglicht. Ich denke da unter anderem an ehrenamtliche Großeltern. Und die Gemeinden müssen stärker untereinander vernetzt werden. Das muss auch bei den Kindergärten geschehen.
Ab 2009 stehen den Kirchengemeinden erhebliche finanzielle Einsparungen bevor. Wer finanziert die von Ihnen geforderten Veränderungen?
Da ist zunächst einmal der Staat gefordert wie etwa bei den angesprochenen Gutscheinen.
Aber auch die Landeskirche wird sich finanziell engagieren. Der Landessynode liegt ein Antrag vor, dass Aktionen zur Bekämpfung von Kinderarmut 1 : 1 bezuschusst werden. Dazu sollen eine Million Euro eingesetzt und somit ein klares Signal gegeben werden.
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