Kirchgänger legen die Füße hoch
Konfirmanden zeigten in Emmerstedt, wie sie sich einen zeitgemäßen Gottesdienst vorstellen
Zwei Liegestühle, zwei Korbsessel, ein Ecksofa, ein kuscheliges Bett – das ist keine Szenerie eines Möbelhauses, sondern die Emmerstedter Kirche am Sonntagmorgen. Konfirmanden zeigten, wie für sie ein gelungener Gottesdienst aussieht.
In zehn Thesen hatten sie zuvor festgehalten, was ihnen im Zusammenhang mit Kirche wichtig ist: Freier Glauben und eine starke Gemeinschaft gehören für sie ebenso dazu wie ein warmer, gemütlicher Raum und eine moderate Gottestdienstzeit für Langschläfer.
Entstanden sind die Thesen vor zwei Jahren, als die 13 Konfirmanden gemeinsam mit Axel Klein, Dozent der Evangelischen Landeskirche, für die "Reformandentour" kreativ wurden. Die Thesen von damals haben sie zu ihrem Vorstellungsgottesdienst überarbeitet. Grundlage waren Gespräche mit Emmerstedtern zu der Frage "Was müssen wir tun, um Kirche attraktiver zu gestalten?" – Sofa, Sessel und Bett kamen bei den zahlreichen Besuchern am Sonntag in jedem Fall gut an.
In der "VIP Lounge" durften ausgeloste Gottesdienstbesucher sitzen, nach einer halben Stunde wurde gewechselt. Die Resonanz war vielschichtig: superbequem, warm, interessant, gemütlich – so beschrieben die "VIPs" ihre neue Erfahrung. Mutig sei es, so etwas auszuprobieren. So könne der Gottestdienst ruhig noch eine Weile weitergehen, hieß es mehrfach am Ende der Veranstaltung. Lediglich das Aufstehen zum Beten sei etwas beschwerlich gewesen. Eine Besucherin gab allerdings zu bedenken, dass Gottesdienste nicht immer ein Event sein müssten.
Ein Event also. Passt das für Emmerstedts Pfarrer Stefan Werrer mit seiner Vorstellung von Gottesdienst zusammen? Gibt es bewährte Dinge, die sich in Kirchen nicht ändern sollten? "Unveränderlich ist für mich nur, dass Jesus in der Mitte steht, sprich der Altar. Drum herum kann man vieles verändern", sagte Werrer unserer Zeitung. Die Ideen der Konfirmanden hätten viele Anregungen gegeben und für eine konzentrierte Stimmung gesorgt. "Was für einen Gottesdienst wichtig ist, sind Texte, die man versteht und mitreißende Musik", findet Werrer.
Den außergewöhnlichen Gottesdienst der Konfirmanden hat auch Propst Detlef Gottwald mit Interesse aufgenommen. Frischen Ideen stehe er offen gegenüber. "Kirchenbänke müssen nicht unbequem sein – im Gegenteil." Was für Gottwald definitiv zu einem Gottesdienst gehört, sind Lieder, Gebete, die Verkündigung des Evangeliums und die Botschaft der Bibel. "Über die Gestaltung muss allerdings regelmäßig nachgedacht werden, wir feiern Gottesdienste nicht mehr wie im fünften Jahrhundert." Dass Gottesdienste mit "Event-Charakter" dauerhaft Erfolg haben könnten, glaubt er jedoch nicht. "Dann ist es ja nichts Besonderes mehr."











