Fern von kalten Ost- und Westwinden
Schöningen und Oschersleben feiern 20 Jahre Partnerschaft – Friedliches Deutschland war das Ziel
OSCHERSLEBEN. Als wäre es gestern gewesen, so genau erinnerten sich am Sonnabend beim Festakt zum 20-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft Schöningen-Oschersleben die damals daran beteiligten Bürgermeister, Ratsherren und Verwaltungsmitarbeiter.
Man hatte in die Jockel-Klein-Halle an der Motorsport Arena Oschersleben geladen. Siegfried Pause, damals Schöninger Bürgermeister, steuerte zunächst den falschen Eingang an. Kein Wunder, denn da, wo heute Test- und Rennstrecke, Hotel und Halle sind, wuchsen vor 20 Jahren noch Rüben auf dem Bördeacker.
Oscherslebens Bürgermeister Dieter Klenke betonte bei der Begrüßung, dass es wohl nie so viele Bürgermeister verschiedener Generationen hier zusammengeführt hätte wie zu diesem Anlass.
Schöningen half beim Aufbau der Verwaltung
Er begrüßte zahlreiche Mitglieder der Stadtratsfraktionen und Vertreter der Verwaltungen und hob besonders Samtgemeinde-Bürgermeister Henry Bäsecke hervor, der damals über einen längeren Zeitraum nach Oschersleben abdelegiert worden war, um beim Aufbau der Verwaltung zu helfen. Klenke erinnerte auch an das Wirken des Schöninger Ratsherren Rolf-Dieter Backhauß und würdigte die Arbeit der Vertreter der Verwaltung, "die uns 1990 das Rüstzeug gaben, damit wir das Laufen lernen konnten".
In der neu aufzubauenden Verwaltung mussten 1990 nicht nur Theorie, sondern auch Technik auf einen anderen Stand gebracht werden. Dafür hätte man in Schöningen immer offene Türen gefunden.
Die Bedeutung der Partnerschaft fasste Schöningens Bürgermeister Matthias Wunderling-Weilbier weiter: "Beide Städte hatten damals Mut, aufeinander zuzugehen." Ziel sei es gewesen, ein gemeinsames, friedliches Deutschland aufzubauen. Ergriffen zeigte sich Karl-Heinz Skrzypczak, zur Wendezeit Bürgermeister in Oschersleben, als er sich an die Wendezeit erinnerte. "Als 1989 auf dem Oschersleber Markt der Westbus mit einer SPD-Delegation eintraf, da dachte ich: Sehen so kalte Krieger aus?‘ Nein! Es wehte kein kalter West- oder Ostwind sondern ein warmes Lüftchen." Er erinnerte sich an Höhepunkte, die zur Vertragsunterzeichnung der Partnerschaft am 2. Februar 1990 im Schöninger Schloss geführt hatten.
Erst Reserviertheit, dann Herzlichkeit
Auch Siegfried Pause, Stellvertretender Bürgermeister in Schöningen, berichtete aus seinen Erinnerungen über eine erste Reserviertheit und herzliche Aufnahme in Oschersleben. "Was hat uns die Partnerschaft mit Oschersleben gebracht?", fragte er. – Eine Vielzahl von Treffen, politische, wirtschaftliche und kulturelle Kontakte hätten das Alltagsleben bereichert.
Wie solle es weiter gehen? Pause hatte sich Gedanken darüber gemacht. Bisher hätte man die Geschichte der DDR nur reduziert auf zwei Ereignisse: Den Mauerbau und den Mauerfall. Und auf die Begriffe Isolation und Revolution. Da sei ein geschichtliches Vakuum entstanden, so der Redner.
Pause schlug er vor, aus der Partnerschaft heraus über die Öffentlichkeit und die Schulen Lücken zu füllen. "Ich weiß, das ist ein schwieriges Unterfangen. Aber Zuspruch gibt es bei Goethe, der Egmont in einer ähnlichen Situation sagen lässt: Vernünftige Leute, die können viel tun.‘ Er sagte: vernünftige‘, sie sehen, wir haben alle Chancen auf unserer Seite."













