Sport als Schlüssel zur Integration
Gymnasium am Bötschenberg initiiert Projekt, das Menschen mit Behinderung aus der Isolation holen soll
Unter dem Motto "Gemeinsam leben – gemeinsam Sport treiben" plant das Bötschenberg-Gymnasium ein besonderes Projekt: Vom 11. bis 13. November sollen Bürger die Gelegenheit haben, Berührungsängste gegenüber behinderten Menschen abzubauen.
In einem Pressegespräch stellten die Projektleiter, Schulsprecher Lucas Dinter und Lehrer Gunter Dörschlag, ihr Anliegen vor. Ursprünglich war eine Sport-Projektwoche für die Schüler des Gymnasiums am Bötschenberg geplant.
Jetzt soll es eine große Veranstaltung in Helmstedt werden, die eine Bewusstseinsänderung der Gesellschaft anstoßen soll. "Behinderte Mitmenschen sollen nicht weiter als stigmatisierte Randgruppe betrachtet, sondern als mündige Menschen, mit Respekt und Verständnis behandelt werden", formulierte Lucas Dinter, Schulsprecher und Projektleiter, das Ziel.
Laut Dinter schaue alle Welt im Moment auf Vancouver. Dass am gleichen Ort in wenigen Wochen die Paralympics stattfinden, interessiere die wenigsten. Behinderte Menschen würden in unserer Gesellschaft immer noch wenig beachtet.
So sei Deutschland laut einer Studie der Vereinten Nationen auch Schlusslicht hinsichtlich der Integration von behinderten Schülern und Schülerinnen. "Erst wenn jemand im persönlichen Umfeld von Behinderung betroffen ist, steigt die Akzeptanz gegenüber diesen Menschen", weiß Dinter. "Mit diesem Projekt wollen wir die Berührungsängste abbauen." In diversen Workshops sollen sowohl Schüler des Gabö, als auch die breite Öffentlichkeit in Helmstedt Gelegenheit haben, in gemischten Teams gemeinsam mit Behinderten Sport zu treiben.
Es wird viele Möglichkeiten geben, Behinderung zu erfahren: Rollstühle testen, mit verbundenen Augen Handball spielen oder Schwimmen mit zusammengebundenen Beinen. Vorträge zu aktuellen medizinischen Erkenntnissen oder zu Lebensbewältigung nach Schicksalsschlägen erweitern das Angebot. Geplant ist auch ein Vortrag des Extremsportlers Andy Holzer, der von Geburt an blind ist. Die unterschiedlichsten Sportarten von Klettern über Bergsteigen, Skifahren und Mountainbiken bis hin zu Surfen bewältigt er.
Lucas Dinter weist auf einen weiteren Aspekt hin: "Auch Fettleibigkeit ist eine Behinderung." Jedes 5. Kind sei davon betroffen. Durch Prävention könne man viele Behinderungen Erwachsener oder älterer Menschen vermeiden.
Das Projekt stieß bereits auf großes Interesses: Die Schirmherrschaft haben Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann und der Bischof der Diözese Hildesheim Norbert Trelle übernommen. Die erfolgreichen Sportler Thomas Nolte und Stefan Bäumann unterstützen das Projekt. Der Landkreis Helmstedt stellt für die Projekttage alle Sportstätten in Helmstedt zur Verfügung. Die Sportvereine werden sich aktiv in die Projekttage einbringen.
Auf einer eigens eingerichteten Homepage (www.wirwir.de) lassen sich die Planungen verfolgen. Auch Sponsoren, die noch gesucht werden, erfahren dort Hintergründe.
Thomas Nolte, der als Monoskifahrer an den Paralympics in Vancouver teilnehmen wird, weiß aus eigenen Erfahrungen, dass man in anderen Ländern Behinderten viel offener begegnet. "In Deutschland ist Behinderung immer noch ein Tabuthema."
Sport sei bekannt dafür, dass er Grenzen überwindet und so hoffen Dinter und Dörschlag, dass mit diesen Projekttagen auch Grenzen in der Gesellschaft überwunden werden und Schranken durchbrochen werden.













