Irrtum führte zum Namen "Edelhöfe"
Neue Serie: Helmstedt hat einige bemerkenswerte und geschichtsträchtige Straßen
HELMSTEDT. In einer neuen Serie erläutern wir Helmstedter Straßennamen und erzählen ihre Geschichte. Den Anfang machen die Edelhöfe.
Drei Siedlungselemente, die im Laufe der Jahrhunderte zu einer Kommune zusammenwuchsen, bilden die Wurzeln Helmstedts: das Dorf Helmonstedi, ein Wik (Handelsplatz) an der heutigen Beguinenstraße und ein weiterer Handelsplatz auf dem heutigen Marktplatz.
Im Jahr 952 ließ Kaiser Otto I. in seiner Kanzlei in Magdeburg eine Urkunde ausstellen, in der er einige Dörfer nannte, die dem Kloster St. Ludgeri den Zehnten zu entrichten hatten. Dazu gehörte auch das Dorf Helmonstedi, das älteste der drei Siedlungselemente. In dieser Urkunde wird es erstmalig namentlich erwähnt. Dieses Dorf ist wesentlich älter als das Kloster Ludgeri, und es lag an der heutigen Straße Edelhöfe. Die ersten "Helmstedter" fanden gerade an dieser Stelle ideale Siedlungsbedingungen. Durch den Faulen Bach war Wasser vorhanden, es gab fruchtbaren Boden für den Anbau von Getreide und Weideflächen für das Vieh.
Der Name dieser ersten Ansiedlung war früher "Upn olhoven" (Auf den alten Höfen) oder "Ole Höwe" (Alte Höfe), denn es waren zunächst Bauern, die hier ihre kleinen Höfe bauten. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein prägten diese Gehöfte das Bild dieses Teils der Stadt. Allerdings mit einer Ausnahme: Edelhöfe 2, der so genannte Abtshof, später der Dieckmannsche Hof.
Der Abt des Klosters St. Ludgeri war bis zum Jahr 1490 der Helmstedter Stadtherr. Da er auch Abt des Mutterklosters Werden an der Ruhr war, hatte er dort seine Hauptresidenz. Für seine Aufenthalte in Helmstedt wurde der "Große Hof" an den Edelhöfen errichtet. Nach 1490 ging er in den Besitz der Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel über. Später wurde das Gebäude von dem ersten Vizekanzler der Helmstedter Universität, Mynsinger von Frundeck, und im 17. Jahrhundert vom Gelehrten Calixt bewohnt.
Udo Dieckmann hat berichtet, wie aus dem ehemaligen Abtshof der Dieckmannsche Hof wurde. Friedrich Gottlieb Dieckmann, der Vater des berühmten Konsuls Johannes Dieckmann, hatte am 16. Juni 1815 als Leutnant zwei Tage vor der Schlacht von Waterloo an einem Gefecht bei Quatrebras in Belgien teilgenommen, in dessen Verlauf der braunschweigische Herzog Friedrich Wilhelm, bekannt unter dem Namen der schwarze Herzog, tödlich verletzt wurde. Friedrich Dieckmann hatte versucht, den Herzog zu schützen und wurde selbst schwer verwundet. Herzog Karl II. überließ ihm als Anerkennung für seine Verdienste im Jahr 1822 den Helmstedter Abtshof.
Die Änderung des Namens von Alte Höfe in Edelhöfe beruht auf einem Irrtum. Friedrich August Ludewig, ein Theologe, hat 1821 ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: "Geschichte und Beschreibung der Stadt Helmstedt". Dort heißt es: "Auf den Edelhöfen heißt eine Gegend der Stadt gegen Norden. Sie hat ihren Namen ohnstreitig von mehreren vormals dort belegenen Edelhöfen, von denen aber jetzt nur einer noch unter dem Namen des großen Hofes vorhanden ist".













