Diese Männer lassen nicht locker und kämpfen für Post in Wipshausen
Nach Schließung der Postagentur bildet sich neue Bürgerinitiative – "Sich mit anderen Dörfern zusammentun"
Die Postagentur in Wipshausen hat seit einigen Wochen geschlossen (wir berichteten). Doch eine Gruppe Dorfbewohner will sich damit nicht abfinden. Die Männer wollen eine Initiative gründen, um dafür zu kämpfen, dass die Post wieder bürgernäher wird.
Gute acht Kilometer liegen zwischen Wipshausen und Edemissen. "Wir Wipshausener müssen diese Strecke jetzt für jedes kleine Paket fahren", sagt Thorsten Bock. "Und wenn wir den Postzusteller an der Haustür verpassen, wird das Paket nun auch in Edemissen hinterlegt – und wir müssen zusehen, wie wir da hinkommen." So wie ihm geht es vielen Wipshausenern. Wer sich vor dem Einkaufsladen in der Mittelstraße aufhält, merkt, die geschlossene Agentur ist Gesprächsthema Nummer Eins.
"Ohne Post ist das Dorf unattraktiver"
Eduard Mücke ist ebenfalls verärgert. "Ich fahre zwar gern Fahrrad und komme so ganz gut nach Edemissen, aber was ist, wenn es einmal nicht mehr geht?", fragt sich der 63-jährige Rentner. "Dieses Problem haben viele ältere Wipshausener." Hinzu komme, dass Wipshausen versucht, mehr Gewerbetreibende in den Ort zu locken. "Wie soll das gehen? Ohne Post ist das Dorf doch noch unattraktiver!"
Das bestätigt Edith Heinecke. Ihr Sohn Günther Heinecke ist selbständig und betreibt einen Fahrradladen. "Er hat viel Brief- und Postverkehr. Für ihn ist die geschlossene Agentur eine echte Beeinträchtigung." Auch Sylvia Christoph ist selbständig und arbeitet in einer Tischlerei. "Wir haben oft Rücksendungen und müssen jetzt für jedes kleine bisschen nach Edemissen."
Auch Erhard Kadelbach sieht die Schließung äußerst negativ. "Ich fahre jetzt natürlich auch nach Edemissen und verbinde den Gang zu Post mit Einkäufen in den Supermärkten. Ich weiß, dass viele es so machen. Das hat zur Konsequenz, dass unser Wipshausener Laden viele Kunden verliert."
Bürgerinitiative mit anderen Dörfern gründen
Aber was tun? Nicht nur in Wipshausen wurde die Agentur geschlossen. Wie die Post auf PN-Anfrage mitteilt sind alle Postagenturen in kleineren Orten betroffen, in denen sich eine Agentur wirtschaftlich nicht rentiere. "Auch die Post muss wirtschaftlich agieren", sagt ein Pressesprecher. Wipshausen sei so ein Standort "mit begrenzter Infrastruktur".
Nun wollen sich die Wipshausener stark machen: "Wir wollen eine Bürgerinitiative gründen und uns mit anderen betroffenen Dörfern zusammenschließen", sagt Thorsten Bock. "Es soll ein Treffen mit Vertretern dieser Dörfer geben."
Er sieht die Agentur-Schließung in einem größeren Zusammenhang. "Die Post hätte nicht privatisiert werden dürfen. Es ist ein Dienstleistungsunternehmen für die Bürger. Jetzt spart die Post ein und wälzt die Kosten auf ihre Kunden ab – indem die Zeit und Kosten für längere Strecken aufwenden müssen."
Rainer Braun bezeichnet die Schließungen sarkastisch als "munteres Poststerben". Der Wenser kommt zum Einkaufen nach Wipshausen. "In Wense haben wir ja auch gar nichts; weder Post noch Einkaufsladen", sagt er.
Als positives Beispiel nehmen sich die Wipshausener die Wenser Bürgerinitiative zum Erhalt der Wenser Allee. "Die haben gezeigt, dass Bürger etwas erreichen können", sagt Thorsten Bock. Nun sind weitere Wipshausener gefragt, die sich der geplanten Bürgerinitiative anschließen wollen.













