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03. September 2010
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"Lasst die Ohren ganz" – Schafzüchter Carl Lauenstein hofft auf Ministerin

Der Bodenstedter lehnt aus Tierschutzgründen die generelle elektronische Kennzeichnung der Schafe ab

Von Harald Meyer

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BODENSTEDT. Die Europäische Union (EU) hält Carl Lauenstein momentan ganz schön auf Trab: Heute tagt in Brüssel der europäische Bauernverband – und Lauenstein wird sich dann für die Interessen der Schafzüchter einsetzen.

"Die Schafzüchter in Deutschland, die auf der Kippe stehen, werden aufgeben, wenn diese EU-Regelung beibehalten wird", sagt Lauenstein besorgt – er ist Bundesvorsitzender der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL). Die Regelung, um die es geht, ist die verpflichtende Einführung der elektronischen Kennzeichnung für Schafe, die ab 2010 EU-weit kommt.

Demnach sollen generell alle Schafe im Alter von über zwölf Monaten elektronisch gekennzeichnet werden (Einzeltierkennzeichnung) – und zwar nach Lage der Dinge mit einem Chip im Ohr. "Da spielt es keine Rolle mehr, ob das Tier seinen Betrieb verlässt oder nicht", ergänzt Lauenstein. Das Argument der EU: Mit dieser genaueren Kennzeichnung soll die Herkunft jedes Tieres zurückverfolgt werden, um bei einer Seuchengefahr die erforderlichen Maßnahmen gezielt vorzunehmen.

Für den Bodenstedter ist das ein Beispiel, wie über das Ziel hinausgeschossen werde: "Es reicht völlig aus, nur die Schafe zu kennzeichnen, die den Betrieb verlassen – etwa zum Schlachten oder zum Verkauf", ist der 59-Jährige überzeugt. "Wenn ein Tier sein Leben lang in seinem Betrieb bleibt, braucht man doch keine Rückverfolgung."

Die VDL-Forderung, die Schafe nur beim Verlassen des Betriebs entsprechend zu behandeln, würde zur Reduzierung der Kennzeichnungen führen. Für Lauenstein wäre das aus Tierschutzgründen wünschenswert – er zeigt Bilder von Schafen, deren Ohren durch die Kennzeichnung teilweise herausgerissen worden sind. "Schafe sind oft in der Landschaftspflege tätig, etwa auf den Deichen und in der Lüneburger Heide. Dabei gehen sie auch ans Gebüsch, und reißen sich dabei die gekennzeichneten Ohren ein", ärgert sich der Besitzer von 30 Mutterschafen.

"Gerade erst geboren, dank EU schon Löcher in den Ohren" und "Lasst meine Ohren ganz" war auf Plakaten zu lesen, mit denen rund 700 Schäfer aus Deutschland – darunter Lauenstein – vergangene Woche in Luxemburg zur Tagung des EU-Agrarausschusses demonstriert haben. Der Bundesagrarministerin Ilse Aigner brachte Lauenstein seine Forderungen vor – auch in anderen Ländern wie England gebe es Proteste, so dass der Bodenstedter noch Hoffnung auf Zurücknahme der beschlossenen EU-Regelung hat.

Denn die Einführung der elektronischen Kennzeichnung ist Lauenstein zufolge auch mit existenzgefährdenden Mehrkosten für die Schäfer verbunden: "Die Chips würden eine Verfünffachung der bisherigen Ausgaben bedeuten." Dazu komme noch ein Lesegerät für mindestens 150 bis 250 Euro. Das Problem ist laut VDL-Chef auch: "Diese Kennzeichnung per Chips muss regelmäßig kontrolliert werden – das kostet enorm viel Zeit."

Dienstag, 30.06.2009
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/10564967/menuid/2162
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