Demonstranten marschieren für eine zweite IGS durch Lengede
Bürgermeister Hans-Hermann Baas sieht noch Chancen für eine Genehmigung Kritik an Kultusministerin
LENGEDE. "IGS in Lengede jetzt". "Gegen Bildungsklau in Lengede". "Bildung krepiert, weil Dummheit regiert". Rund 100 Demonstranten zogen gestern nach einem Aufruf der Elterninitiative IGS Lengede durch den Kernort und richteten sich mit deutlichen Worten an die Landesschulbehörde.
Die hatte im August angekündigt, die vom Landkreis Peine beantragte Gesamtschule für den Peiner Südkreis abzulehnen. Grund dafür: Nach Interpretation der Schülerzahl-Prognosen und dem Ergebnis einer ersten Elternbefragung bezweifelt die Behörde einen entsprechenden Bedarf. "Was wir als ärgerlich empfingen: 50 Prozent der befragten Eltern haben ihre Stimme nicht abgegeben, was von der Behörde als Zustimmung zum dreigliedrigen Schulsystem gewertet wurde", erklärte Matthias Frenzel von der Elterninitiative vor dem Start des Protestzuges auf dem Parkplatz des Lengeder Einkaufszentrums. "Das entspricht nicht unserem Demokratieverständnis!"
Mit der Demonstration gestern wollten Frenzel und seine Mitstreiter auf das Gewicht einer in Aussicht gestellten zweiten Befragung hinweisen, mit der sich der Landkreis in den kommenden Wochen möglicherweise an die Eltern von Grundschülern wenden will. Deren Umsetzung wird derzeit noch geprüft, wie Kreissprecherin Katja Schröder mitteilte.
Noch hoffen die Mitglieder der Elterninitiative auf die Genehmigung einer Gesamtschule und deren Start zum Beginn des nächsten Schuljahres. Und auch Bürgermeister Hans-Hermann Baas, der sich jüngst mit einem offenen Brief an Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann gewandt hat, sieht noch Chancen für eine entsprechende Genehmigung.
"Bei gutem Willen und vor dem Hintergrund des Ergebnisses der ersten Elternbefragung hätte man sie jetzt schon erteilen können", kritisierte der Verwaltungschef. "Frau Heister-Neumann ist nicht nur Kultusministerin, sondern auch die für unseren Wahlkreis zuständige Landtagsabgeordnete", unterstrich Baas und mahnte Engagement an. "Wir können das Schulangebot in Lengede nur mit einer Gesamtschule festigen."
Ratsherr Wolfgang Gnad betonte, der Rat habe parteiübergreifend und einstimmig für eine IGS votiert. "Die Landesschulbehörde muss das erfüllen, was die Lengeder fordern." Die Kinder bräuchten ein neues Schulsystem, das alte sei kaput und tot.
Nicht nur von Gemeinde und Landkreis fühlt sich die Elterninitiative unterstützt, auch die Reaktionen der Leiterinnen von Kindergärten und Grundschulen seien ausschließlich positiv, beschrieb Rüdiger Lampe, Mitorganisator der Demonstration, bevor er den Protestzug formierte. "Jetzt ist wichtig, dass wir für Aufmerksamkeit sorgen."
Das taten die Demonstranten. Mit Transparenten, Pfeifen und Ratschen gerüstet machten sie sich auf den Weg durch Lengede in Richtung Hauptschule, zu einer Kundgebung, zu der auch Landrat Franz Einhaus erwartet wurde.











