Entdeckungsreise zwischen Bronze-Figur und Karnevalsbild
Ausstellung in der Vechelder Remise Dieter Marquardt und Freunde bieten wieder ungewöhnliche Stücke an
VECHELDE . "Treu zu Kaiser und Reich; Pflege der Wohltätigkeit", lautete der Wahlspruch der Pankgrafen, die um das Jahr 1900 nahe der Panke im heutigen Stadtgebiet Berlins lebten. Eine Abordnung der Vereinigung besuchte im Jahr 1912 die Stadt Braunschweig. Im Gepäck? Eine mit Wappen versehene Bronzetafel, ein Gastgeschenk.
Eben jene Tafel wartet beim Kunstmarkt in der Vechelder Remise im Kreis von Gemälden, Plastiken und anderen erlesenen Sammlerstücken auf einen Liebhaber mit Kennerblick. Zusammengetragen von Dieter Marquardt und Freunden.
So auch den Bronze-Putto, der mit melancholischem Blick und welkendem Rosenzweig in der Hand auf einem der Ausstellungstische kauert. Oder die Skulptur des Braunschweiger Künstlers Jürgen Krone, eine kniende Frauenfigur, grob in ihrer bronzenen Oberfläche, fein gearbeitet im Detail.
Zwei Ausstellungskojen hat Kunstkenner Marquardt allein Malern aus der Region gewidmet einzig noch lebender Vertreter seiner Zunft ist der Wenser Rainer Braun, der mit einer Gegenwartsbetrachtung des Braunschweiger Magniviertels in Erscheinung tritt. "Ungefähr ein Drittel der Maler habe ich persönlich kennen gelernt", verrät Marquardt und gerät ins Plaudern. Günther Kaphammel, Eugen von Zitzewitz, Heidemaler Richard Riemer aus Wendeburg, den Lehndorfer Rudolf Koch, den er als Kind schon traf, Walter Fricke, dessen Nachbar Marquardt einst gewesen ist. Oder den Wolfenbütteler Otto Bücher, dessen Weg der Vechelder Kunsthändler kreuzte, als der Maler schon jenseits des 80. Lebensjahres war. "Er war damals schon fast taub und fast blind aber was für ein Kerl, was für eine enorme Ausstrahlung", erinnert sich Marquardt an den Mann, der sich mit vormaligen Vertretern der "Brücke" präsentierte.
Im Porträt, wenn nicht sogar als Maler vertreten, ist auch einer, dem Marquardt selbst nie begegnet ist, den er allerdings ausgiebig gelesen hat: Hans Christian Andersen, der wohl bekannteste Schriftsteller Dänemarks und Schöpfer bedeutender Kunstmärchen.
"Hinz und Kunz", so nennt es der Kunstkenner und umschließt damit die Vielfältigkeit des Gezeigten, wurden im Obergeschoss der Remise gehängt: Hochzeitsszenen aus dem 19. Jahrhundert, Impressionen des Venezianischen Karnevals, das Ölporträt eines Mannes, das durch den Schleier der Abstraktion Erich Honecker zeigen könnte. In eine Schatzkiste haben Marquardt und seine Mitstreiter die Remise verwandelt, in eine Truhe voller Überraschungen, die es mit Besonnenheit zu entdecken gilt.
Öffnungszeiten der Ausstellung: am heutigen Freitag, 16 bis 20 Uhr; am Samstag, 21. November, und Sonntag, 22.November, je 11 bis 20 Uhr.













