Schicksal einer Fehlzucht Retriever Nelly hat Lebensmut nicht verloren
Tier stammt aus Hundehandel, gegen dessen ehemalige Betreiberin Veterinäramt und Polizei ermitteln
NEUBRÜCK. Auch wenn die vierjährige Nelly noch so schön rumtollen und nach dem Stöckchen springen kann: Ein normales Hundeleben wird der scheue Golden Retriever nie führen können.
Besitzerin Manuela Romanowski aus Neubrück: "Der Hund ist sein Leben lang gezeichnet. Als Welpe hat er eine zumeist tödlich verlaufende Krankheit überlebt, die Parvovirose, eine Form der Katzenseuche. Zwei schwere Hüftoperationen haben seine Laufweise gezeichnet. Außerdem hat Nelly Urängste."
Bei Hunden sei das häufig darauf zurückzuführen, dass sie als Welpen in dunklen Hütten aufbewahrt wurden und so nie richtiges Urvertrauen gewinnen konnten, sagt Romanowski, die sogar selbst als gelernte Tierarzthelferin vom Fach ist. Nelly schreckt zurück, wenn sie über Brücken gehen soll, wenn die Spülmaschine geöffnet wird oder sie eine Plastiktüte sieht.
Die schweren Hüftprobleme indes seien Schäden, die direkt auf Fehlzüchtungen zurückzuführen seien, habe ihr ein Tierarzt erklärt: Zum Beispiel aus Inzucht zwischen Geschwistern oder als direkter Wurf von einer kranken Mutter.
Nelly ist kein Einzelfall: Sie stammt aus einem umfangreichen Handel mit Labrador- und Retriever-Welpen einer Frau aus Niedersachsen, deren Haus in der vergangenen Woche mehrere Amtstierärzte des Landkreises Hildesheim, die Polizei und das Amt für Verbraucherschutz bei einer Razzia durchsucht haben. Darüber informierte jetzt der Landkreis.
Es wurden ein Labradorwelpe (siehe kleines Foto) und eine große Menge an Medikamenten und Tierimpfstoffen beschlagnahmt. Die Frau wird beschuldigt, seit etwa zwei Jahren einen umfangreichen Handel mit Welpen der Rassen Labrador und Golden Retriever betrieben zu haben, ohne dafür eine Erlaubnis des Veterinäramtes zu besitzen, so der Landkreis weiter. Sie hatte vorher andernorts einen ähnlichen Hundehandel betrieben, aus dem Nelly stammt.
Der Hildesheimer Kreisveterinär Bernd Wichern: "Die Hunde stammen höchstwahrscheinlich nicht aus eigener Zucht, sondern aus dem Ausland." Inserate seien in zahlreichen regionalen und überregionalen Zeitungen aufgegeben worden. Wie Nelly litten auch andere Welpen unter der stark ansteckenden und oftmals tödlich verlaufenden Viruserkrankung Parvovirose. Insgesamt hätten das in den vergangenen zwei Jahren gut 200 Hunde gewesen sein können, die über den Handel verkauft wurden, schätzt Wichern.
Für Manuela Romanowski sind die Ermittlungen ein erster Trost: "Wir haben sogar in der Nachbarschaft Hunde, die aus dem Handel mit dieser Frau kommen und die behindert sind." Mittlerweile sei die Zahl der Besitzer auf gut 20 gewachsen, die sie und ihr Mann auch über das Internet kennen gelernt hätten, mit denen sie sich austauschten. Doch trotz aller Hilfe: Einige Hunde wurden eingeschläfert.
So schlimm kam es jedoch bei Nelly nicht. Vor zwei Jahren haben ihr die Romanowskis mit Jette, einen Flatcoated Retriever, einen Partner geschenkt. Einer, mit dem sie sogar das Körbchen teilt und zeigt, dass sie trotz ihrer Gen-Schäden ihren Lebensmut noch nicht verloren hat.













