"Kritik an Mastställen unangebracht"
Kreislandwirt Carl-Friedrich Lauenstein nimmt Hähnchenmäster in Schutz – Initiative bekräftigt ihren Protest
Unter Beschuss gerät Landwirt Christoph Gerecke, der bei Alvesse eine Hähnchenmastanlage bauen will: In Leserbriefen wird das Projekt kritisiert, eine Bürgerinitiative gründete sich. Für Kreislandwirt Carl-Friedrich Lauenstein ist der Protest unangebracht.
"Wenn sich Landwirte für die Hähnchenmast entscheiden, machen sie das, um eine neue Einnahmequelle zu bekommen", hofft Lauenstein auf mehr Verständnis in der Bevölkerung. Der Bodenstedter Landwirt verweist darauf, dass beispielsweise "die Getreidepreise immer mehr in den Keller gehen und sich deshalb Landwirte etwas suchen müssen".
Lauenstein erinnert, dass "die Verbraucher offenbar Hähnchenfleisch wollen, sonst wäre die Nachfrage danach nicht so groß". Letztlich sei der Bau weiterer Hähnchenmastanlagen nur die logische Konsequenz daraus. "Mich wundert, dass kein Biobauer einen Antrag stellt auf Errichtung von Mastställen, wenn doch die Bevölkerung angeblich so erpicht ist auf Biofleisch."
Der Vorsitzende des Peiner Landvolks räumt zwar ein, dass Mastställe – etwa für Hähnchen – eine Belastung für die Umwelt darstellten. "Aber deshalb gibt es Vorschriften, die einzuhalten sind", sagt Lauenstein und nennt die Abstandsregelungen zur Wohnbebauung.
Warum setzt er als Landwirt nicht auf Hähnchenmast? "Weil ich genug anderes zu tun habe, deshalb kommt das für mich nicht in Frage", antwortet Lauenstein. Und warum kommen vom Landvolk keine Stellungnahmen zur Unterstützung der Landwirte, die Hähnchenmastställe bauen wollen? "Weil das sinnlos wäre, die Gegner der Hähnchenmast lassen sich nicht überzeugen."
In einer Stellungnahme wirft Steffen Ducke als Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Alvesse/Üfingen gegen Hähnchenmastanlagen Gerecke vor, "mit geringstem Einsatz den größtmöglichen Gewinn rausschlagen zu wollen und das auf unsere Kosten". Argumente der BI seien belächelt worden mit dem Hinweis auf den gesetzlich ausreichenden Mindestabstand. Auf Inhalt und Auswirkungen der riesigen Abluftmengen gehe Gerecke gar nicht ein. "Man fragt sich auch, wo die Medikamentenrückstände bei der Behandlung der Herde bleiben, etwa im Mist auf dem Feld, als Aerosol in der austretenden Luft oder aber in den Innereien des Geflügels", meint Ducke.
Unter Zeugen habe Gerecke eine "eventuelle Verdoppelung der Stallanlagen" erwähnt. "Wenn die Anlage im Landkreis Peine genehmigt ist, was kann dann eine weitere Anlage aufhalten?" fragt der BI-Sprecher. "Christoph Gerecke und die Mastindustrie nutzen die Privilegierung landwirtschaftlicher Betriebe aus: Bei der nahe Alvesse geplanten industriellen ,Tierhaltung’ mit 84 800 Hähnchen müssten aber eigentlich die Grenzwerte und Gesetze der Industrie zu Ammoniak, Kohlendioxid und Feinstaub angewandt werden."













