Achtklässler: Das war mittendrin
Lengeder Realschüler sehen zum Tag der Zivilcourage Stück über Auswirkung von Gewalt und Mobbing
LENGEDE. Die Reaktionen der Zuschauer zeigen deutlich: Das Stück "Und dann kam Alex" lässt sie nicht unbeteiligt, die einzelnen Spielszenen werden aufmerksam verfolgt von den Schülern der Willi-Frohwein-Realschule Lengede.
Gebannt sind gestern die siebten und achten Klassen der Realschule in der Aula von der Aufführung, die sich mit der Problematik von Gewalt, Mobbing und Bullying unter Jugendlichen beschäftigt. Für den siebten Jahrgang der Lengeder Realschule steht alljährlich ein Projekt zur Gewaltprävention auf dem Programm. Gestern zum Tag der Zivilcourage sollte die Thematik mit dem Theaterstück erweitert und vertieft werden. Für die siebten und achten Klassen hatte die Schule das Ensemble Radiks aus Berlin eingeladen.
Das Stück "Und dann kam Alex" entstand in Zusammenarbeit mit Psychologen, erfahrenen Pädagogen sowie dem Bundesverband Mediation. Zum Stück: Der 17-jährige Schüler Alex B. wird über Jahre hinweg von Mitschülern gemobbt und gedemütigt. Um diesen zu imponieren, schlägt er als Mutprobe einen wehrlosen älteren Mann. Seine Mitschüler filmen die Szene per Handy, das Video wird von Lehrern in der Schule entdeckt. Alex flüchtet, dringt am nächsten Tag bewaffnet in die Schule ein und will erzwingen, dass seine Mitschüler gestehen, ihn zu der "Mutprobe" gezwungen zu haben. Sein Vorhaben misslingt. Er verbringt mehrere Stunden mit einigen Geiseln in einem Klassenraum, dann beschließt er, sich das Leben zu nehmen. An diesem Punkt beginnt das Stück, Alex schildert die Vorfälle aus seiner Sicht und führt die Zuschauer in seine Welt. Eine Welt, die geprägt ist durch die Suche nach Nähe und Anerkennung, andererseits aber auch durch Sprachlosigkeit und Ignoranz.
Im Zwei-Mann-Stück verstehen es die Schauspieler Julia Schwebke und Hartmut Lehnert vom Ensemble Radiks, die Probleme des Alex B. überzeugend rüberzubringen.
"Das war besser als Fernsehen, das war mittendrin", meint Lukas Gaide (8. Klasse) nach der Aufführung. "Das war gut nachvollziehbar und realistisch", stimmt Lukas Lohr-engel (8. Klasse) zu. "Es regt an, darüber nachzudenken, was man selber machen würde", meint die Siebtklässlerin Lorina Mattick und "mit den Freunden über das Stück reden" will auf jeden Fall ihre Klassenkameradin Jennifer Güttler. "Es ist unsere Realität, nicht ein Stück aus vergangenen Jahrhunderten", meint Lukas Lohrengel.
Direkt nach dem Stück hatten die Schüler noch Gelegenheit, mit den beiden Schauspielern zu diskutieren. Alex hätte sein Selbstbewusstsein stärken sollen, er hätte seinen Eltern Bescheid sagen sollen, Freundin Jeannette hätte helfen können, Alex hatte einfach Pech, äußerten sich die Schüler. Viele Fragen hatten sie aber auch an die Schauspieler zu ihrer persönlichen Situation und ihrem Beruf.
Eine intensive Nachbereitung des Stückes fand anschließend für die Schüler mit den jeweiligen Klassenlehrern statt.













