Abfahrt 15.35 Uhr Alle wollen rein
Tägliches Schülergedrängel in Ilsede vor dem Bus nach Lengede Busunternehmen: Kapazität ausreichend
LENGEDE. Keine Entspannung in der Diskussion um die Schülerbeförderung von Lengede zum Schulzentrum Ilsede und zurück. Es gibt weiterhin Beschwerden zu übervollen Bussen und stehengelassenen Schülern.
Donnerstag, nach der achten Stunde, um 15.35 Uhr, vor dem Schulzentrum Ilsede: Am Haltepunkt der Linie 530 nach Broistedt drängt sich eine Schülertraube. Dicht am Bordstein. Im Schritttempo nähert sich der Gelenkbus. Das Gedränge und Geschiebe unter den Schülern wird größer, der Bus hält, die Einstiegstüren öffnen sich. Von hinten drängt die Masse, vorne stockt es am Nadelöhr "Einstieg". Ein Schüler stolpert, ein Ranzen liegt am Boden.
Eine brisante Situation: nicht nur, dass im Gedrängel ein Kind auf die Fahrbahn geschubst werden kann, auch der ungeordnete Einstieg birgt durchaus Verletzungsgefahr.
Der Gelenkbus füllt sich, dann ist auch der Gang besetzt, der Busfahrer macht noch wartende Schüler darauf aufmerksam, dass ein weiterer Solo-Bus folgt. Dieser nimmt die restlichen Schüler auf, es sind sogar noch Sitzplätze frei. An der Haltestelle Hauptschule steigen an diesem Donnerstag keine Schüler zu.
Das Busunternehmen
Werner Bettels, Geschäftsführer in Peine der für den Lengeder Schülertransport zuständigen Regionalbus Braunschweig (RBB), wehrt sich gegen die Vorwürfe der übervollen Busse. Er rechnet vor: Zur ersten Stunde zum Schulzentrum nach Ilsede werden in der Gemeinde Lengede drei Solobusse und ein Gelenkbus gesetzlich legitimierte Kapazität rund 450 Plätze eingesetzt. Die Zahl der Fahrschüler aus der Gemeinde Lengede nach Ilsede: 300 insgesamt, nicht immer alle zur ersten Stunde. Gelenk- und Solobusse haben jeweils 46 Sitzplätze, der Rest sind Stehplätze.
Trotzdem kündigt Bettels aufgrund der Elternbeschwerden an, in der nächsten Woche die konkreten Zahlen im Schülerbustransport zu dokumentieren. Zur brisanten Situation am Donnerstag verweist er darauf, dass die Schulen verpflichtet sind, eine Aufsicht zu stellen am Donnerstag aber Fehlanzeige.
Die Schule
Diese Aufsichtspflicht bestätigt Elke Heinzel, Leiterin des Gymnasiums Ilsede, auf PN-Nachfrage und fügt hinzu: "Am Donnerstag ist die zuständige Kollegin ausgefallen, ich bedauere die fehlende Aufsicht sehr." Zu den Stoßzeiten nach der sechsten Stunde (mittags) würden zu der Aufsicht auch noch ältere Schüler als Schülerlotsen eingesetzt, dies habe sich seit Jahren bewährt.
Heinzel betont zudem, dass in der Schule jederzeit, zum Beispiel im Sekretariat, eine Anlaufstelle sei für Kinder, die, aus welchen Gründen auch immer, vom Bus nicht mitgenommen worden seien.
Die Eltern
"Für uns Eltern ist dieser Zustand nicht mehr tragbar. Wir vertrauen Ihnen Tag für Tag unsere Kinder an, damit diese pünktlich und vor allem sicher in die Schule kommen. Sie jedoch lassen es zu, dass die Kinder sofern sie überhaupt mitgenommen werden in den Bussen mit ihren schweren Ranzen dicht gedrängt stehen und sich zum Teil nicht einmal festhalten können. Man mag sich nicht vorstellen, was im Falle eines Unfalles alles mit den Kindern passieren kann", schreiben Eltern aus der Gemeinde Lengede an Franz Einhaus. Ihre Kinder besuchen die Klasse 6.5 des Gymnasiums Ilsede.
Ebenfalls in einem Brief an den Landrat listet Eberhard Lange aus Lengede mehrere Tage auf, an denen seine Tochter aufgrund überfüllter Busse morgens nach Ilsede und nachmittags nach Lengede nicht mitgenommen wurde.
Der Vater der Fünftklässlerin: "Eine Diskussion darüber, ob die Schüler im Bus noch mehr zusammenrücken können ist unangebracht, ebenso Feststellungen darüber, wie viele Personen mit einem Bus am äußersten Limit befördert werden können. Hierbei ist zu bedenken, dass die Schüler zumeist noch derart gefüllte Ranzen mit sich führen müssen, die die Grenze eines erträglichen Gewichts überschreiten." Viele kleinere Schüler könnten auch die Haltestangen nicht erreichen. Der Vater: "Ein sicherer und möglichst stressfreier Schulweg darf nicht vom Geld abhängen."













