"Eine Trasse mit 60 Meter hohen Masten verschandelt unsere Umwelt"
Stadt überrascht von der hohen Zahl der Einwendungen – Erinnerungen an Unwetter 1997 wach geworden
Eine so hohe Beteiligung hätte Erster Stadtrat Hans-Jürgen Tarrey nicht erwartet: Mehr als 400 Bürger haben in 97 Eingaben öffentlich Bedenken gegen die geplante oberirdische 380-Kilovolt-Höchstspannungs-Trasse zwischen Wahle und Mecklar angemeldet.
Weitere Stellungnahmen seien über das Internet abgegeben worden, ergänzt Tarrey. Im Schnitt liege die Zahl der schriftlichen Bürgerbedenken bei Raumordnungsverfahren wie in diesem Fall lediglich bei hundert Unterschriften.
Fünf Trassenvarianten standen zur Diskussion, zwei Varianten verlaufen durch Peiner Stadtgebiet (PN berichteten). Betroffen sind vor allem, was die Stadt Peine angeht, die Ortschaften Berkum, Handorf, Rosenthal, Vöhrum, Schmedenstedt und Schwicheldt. Die 350-Einwohner-Ortschaft Berkum liegt mit 45 Eingaben und etwa 100 Unterschriften an der Spitze der Bedenkenträger. Handorf folgt mit 23 Eingaben und 193 Unterschriften. Aus Rosenthal kamen 14 einzelne Eingaben, aus Schmedenstedt eine mit 54 Unterschriften, aus Peine direkt hat es nur eine einzige Einwendung gegeben.
Tarrey fasst zusammen: "Die wesentlichen Bedenken beziehen sich auf den Landschaftsschutz und die Einsturzgefahr der Masten." Berkum nehme eine Sonderstellung ein, denn die bei einigen Varianten geplante Anordnung der Masten um den Ort herum sei ungewöhnlich. Tarrey: "Berkum würde mit alten und neuen Masten förmlich umzingelt. Das habe ich so noch nicht gesehen."
Hinzu komme, dass bei einigen Berkumern Erinnerungen an das schwere Unwetter von 1997 wach geworden seien. Damals sind 25 Hochspannungsmasten in der Nähe umgeknickt.
Was den Landschaftsschutz angeht, kritisieren die Einwender scharf, dass "die Trasse mit zumeist 60 Meter hohen Masten die Umwelt verschandelt", so Tarrey. Manche der Masten erreichten sogar Höhen bis 75 Meter – herkömmliche liegen bei 45 Metern.
Weitere Einwendungen beschäftigen sich mit Nachteilen für den Natur- und Tierschutz, die Landwirtschaft sowie ganz grundsätzlich die Lebensqualität in den Ortschaften.
So geht es weiter: Die Stadt Peine wird die Eingaben an die Raumordnungsbehörde, die Regierungsvertretung Braunschweig, weiterleiten. Diese organisiert dann eine öffentliche Anhörung, deren Zeitpunkt noch unbekannt ist. Vorher, am morgigen Mittwoch, 17 Uhr, wird der Planungsausschuss der Stadt im Rathaus die Stellungnahme der Verwaltung zu den fünf Trassenvarianten öffentlich diskutieren.
Die Stadt Peine spricht sich eindeutig für eine Variante von Wahle in der Gemeinde Vechelde nach Süden aus – denn die verläuft außerhalb der Peiner Stadtgrenzen.













