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04. Februar 2012
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Tango – Aufschrei der Seele

Sexteto Andorinha und Sergio Gobi machten das Peiner Forum zu einer "Kneipe"

Von Iris N. Masson

PEINE. Nachtbar-Charakter mit lockerer Bestuhlung, Kerzenschein, unterhalb der Bühne eine rege in Anspruch genommene Tanzfläche: Das Peiner Forum präsentierte sich am Samstag beim Tangoabend mit dem Sexteto Andorinha und Sergio Gobi einmal gelungen anders.

Der Tango – eine Geschichte voller Leiden, Flehen, Leidenschaft, Sehnsucht, Liebe, Hingabe, Erfüllung, Verzweiflung, Nähe und Distanz. Und tanzbar zudem in der Interpretation durch die Bandeonisten Peter Reil und Jürgen Karthe, Violinisten Uta Maria Lempert und Klaus Koepernik, Tino Scholz (Kontrabass) sowie Fabian Klentzke am Piano.

Nicht zu vergessen Sänger Sergio Gobi aus Buenos Aires, der sein argentinisches Herz bluten ließ, seine Seele aufschreien. Der der Inbrunst diente, sie verkörperte mit jeder Faser seines Seins, der seine vertonten Geschichten menschlicher Dramen mit Weltschmerz versah: "Desencuentro" – die Gestalt und Ton gewordene rasende Verzweiflung über ein verpfuschtes Leben. Da liefen sicher bei einem jeden Filme ab. Wohl nur lateinamerikanisches Temperament gebiert diese herzzerreißende Überzeugung: eine Sprache großer, übermächtiger, gelebter, erlittener und ersehnter Gefühle.

Tango muss weh tun, heißt es, und Verursacher für diesen Schmerz sind Glück und Trauer gleichermaßen. Denn nirgendwo – außer im Klezmer vielleicht – vermählen sich diese extremen Gegensätze zu solch harmonischem Paar. Und in überragender Weise hat Andorinha diese Dialektik herausgearbeitet, muss Vergleiche mit legendären Orchestern nicht scheuen.

Vornehmlich dem stilechten argentinischen Tango der 40er-Jahre haben sich die Dresdener verpflichtet, aber mit dem erst kürzlich hinzugekommenen Bandeonisten und Komponisten Peter Reil hielt frischer Wind Einzug ins Repertoire aus Troilo, Francini, Piazzolla, Olmedo: Phänomenal Reils "Apologia milonguera" – voller Finessen, vielschichtig, Gänsehaut bereitend. Ebenso der Tango nuevo "Rey del bailongo" oder "Delirio de la milonga": Angelehnt an die argentinische Tradition ist diese konzentrierte, ausgefallene Komposition erfüllt von erfrischend modernen Akzenten – und die Tanzfläche von sich dramatisch windenden Paaren in den komplizierten Schritten, die ohne Kursus unmöglich zu setzen sind.

Überraschend für alle Gäste der gemütlichen "Kneipe" Forum, wie groß doch die Peiner Tangoszene ist. Und wie leidenschaftlich sich die Spielfreude in Hörgenuss teilte, wie frenetisch die Musiker gefeiert und bejubelt wurden.

Montag, 18.04.2005
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/3970747/menuid/2162
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