Kreisel oder Kreuzung? Dungelbecker sind verwirrt
Weiße Kreise in Tempo-30-Zone – Autofahrer: "Das ist ein Schildbürgerstreich"
DUNGELBECK. Rechts vor links? Oder hat durch die weißen Kreise auf der Fahrbahn doch links Vorfahrt? Unter den Autofahrern in Dungelbeck herrscht Verwirrung. Seit am Dienstag Mini-Kreisel auf zwei Kreuzungen am Oberger Weg gemalt wurden, häufen sich Verstöße gegen die Verkehrsordnung.
Die PN beobachteten am Donnerstagnachmittag den Umgang der Autofahrer mit der neuen Regelung.
Keiner scheint so recht zu wissen, wie er fahren soll. Die meisten ignorieren den Kreisel kurzerhand. So wie Sören Rudow. Er hält die weißen Kreise in der Zone 30 für einen "Schildbürgerstreich" und ist außer sich: "Mit meinem Auto kann ich auf so einer kleinen Kreuzung gar nicht im Kreis fahren. Das ist Verschwendung von Steuergeldern und Verdummung der Bürger", findet er. "Ich fahre da schon aus Protest geradeaus rüber."
Die Mini-Kreisel sollen nach Angaben der Stadt eine verkehrsberuhigende Wirkung haben. Das sei aber, so findet der Fahrer eines blauen Kleinwagens, der seinen Namen lieber nicht nennen möchte, eine "Fehleinschätzung". Da er nun nur noch darauf achten müsse, ob schon ein anderes Fahrzeug im Kreisel ist, könne er noch schneller fahren.
Die Ausnahmeregelung für Busse, landwirtschaftliche Fahrzeuge und Lastwagen – sie dürfen an den betroffenen Kreuzungen "Oberger Weg/ Festanger und Oberger Weg/ Schwalbenweg geradeaus durchfahren – macht die Situation nicht besser. Fast jeder Autofahrer blickt ratlos oder schüttelt mit dem Kopf, bevor er meist geradeaus über die Markierungen steuert.
Sogar die Stadt fühlt sich in einer Pressemitteilung verpflichtet, das richtige Verhalten zu erklären: "PKW befahren die Mini-Kreisel, wie bei Kreisverkehr üblich; d.h. sie fahren in den Kreisverkehr ein ohne zu blinken, haben im Kreisverkehr Vorfahrt und blinken bei der Ausfahrt aus dem Kreisverkehr", heißt es. Auch die Gefahr durch die Ausnahmeregelung scheint erkannt. Stadtsprecherin Ulrike Laudien schreibt weiter: "Diese unterschiedlichen Regelungen für die Verkehrsteilnehmer erfordern eine erhöhte Aufmerksamkeit ..."
Das richtige Verhalten ist den meisten Fahrern aber weiterhin unklar. Angela Piech erreicht den Kreisel zeitgleich mit zwei anderen Autofahrern: Unsicher bremsen alle ab. Auch Angela Piechs Handzeichen – sie winkt und malt Kreise in die Luft – sorgen nicht für Bewegung. Es dauert Minuten, bis ein silberner Van die Initiative ergreift, losfährt. "Eine unsinnige Regelung. Niemand versteht sie", meint Piech. "Man wartet ständig, weil keiner sich traut zu fahren."
"Besser so, als die Raserei", sagt Passant Rainer Kielhorn. Der ehemalige Lehrer mache sich wegen der rasenden Autos schon lange Sorgen um die Kinder. Er glaubt, dass das Fluchen bald vorbei sein wird, weil sie sich "daran gewöhnen werden".
Thorsten Friedrichs, als nächster im Kreisel, glaubt das nicht. Er findet die Mini-Kreisel "bescheuert": "Bevor man eingelenkt hat, ist der Kreisel schon wieder vorbei." Er ist sicher: "In nächster Zeit wird es hier viele Unfälle geben."











