Drogentote: Rosen erinnern, Grabkreuz soll aufrütteln
Gottesdienst in der Jakobikirche zum bundesweiten Gedenktag Nicht ausgrenzen
PEINE. Unter der Schirmherrschaft der Diakonie wurde am Samstagmorgen in der Jakobikirche in Peine der 9. bundesweite Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher begangen. Manche Bürger zeigten sich davon etwas irritiert.
Vor dem Eingang der Kirche ist ein Grabkreuz aufgestellt, in dem Spritzen stecken. Ein zugegeben hartes Symbol, aber es erfüllt seinen Zweck.
Die Menschen sollen aufgerüttelt werden. Auch in Peine, wo es 2006 "nur" einen offiziellen Drogentoten gegeben hat, 2007 verzeichnet die Statistik bisher ebenfalls ein Opfer. Trotzdem sind Thomas Tschirner (psychosozialer Betreuer für Opiutkonsumenten der Diakonie) und sein Team der festen Überzeugung, auch hier etwas zur Aufklärung beitragen zu müssen. "Der Gedenktag findet bundesweit zum neunten Mal statt, in Peine wird erst seit letztem Jahr mitgemacht. In Großstädten ist das Problem natürlich auffälliger, aber auch in Peine müssen die Menschen informiert werden. Selbst wenn das Interesse leider sehr gering ist."
Gemeinsam mit dem Kirchenkreis, der Lehrter Band Donkey Bridge (plus Andreas Duve aus Peine) und der Selbsthilfegruppe Jes (Junkies, Ehemalige und Substituierte) macht Tschirner Front gegen Vorurteile, die vielen Süchtigen entgegengebracht werden. "Das vermeintlich asoziale Verhalten vieler Abhängiger hat seinen Ursprung nicht in der Droge, sondern in der Abgrenzung durch die Gesellschaft. Wenn man zehn Jahre lang so behandelt wird, reagiert man irgendwann entsprechend. Wir wollen weniger Abgrenzung und damit einhergehend weniger Verelendung."
Dementsprechend weicht Tschirner in seiner Rede in der Jakobikirche auch vom offiziellen Motto des Gedenktages ("Erhaltung der Heroinsubstitution") ab und spricht sich für eine Auseinandersetzung mit der Sucht aus.
Nach dem Gottesdienst verteilen die Mitarbeiter in der Fußgängerzone weiße Rosen und Flugblätter. Hier wird schnell klar, was Tschirner meint. Manche sind interessiert, einige wehren ab, und nicht selten hört man den Satz: "Die sind doch alle selber schuld."
Dazu Tschirner: "Die Leute müssen begreifen, dass Drogenabhängige auch Menschen sind, die halt ein besonderes Problem haben. Aber dieses Problem kann man beheben. Leider grenzen wir immer mehr aus, anstatt die Ursachen zu bekämpfen."













