Rekord bei Anmeldungen: IGS muss 194 neue Fünftklässler ablehnen
Schulleiter Prudlo: Eine Gesamtschule reicht nicht für den Elternwillen aus – Auftrag für die Bildungspolitiker
KREIS PEINE. Die Integrierte Gesamtschule in Vöhrum musste 194 Kindern eine Absage erteilen. Für den neuen fünften Jahrgang hatten sich mehr als doppelt so viele Schüler angemeldet wie Plätze zur Verfügung stehen.
Schulleiter Herwart Prudlo und die Seinen mussten am Freitag eine Spätschicht einlegen, um nach dem Losverfahren die Absagen noch in den Briefkasten zu stecken. Denn für jene, die keinen Platz an der IGS haben, wird die Zeit immer knapper – zumal die Aufnahmekapazitäten an den beiden städtischen Gymnasien auch nahezu erschöpft sind.
"Wir gehen davon aus, das immer mehr Eltern dem Trend folgen, dass Kinder möglichst lange gemeinsam beschult werden sollen. Die Trennung nach Klasse vier wird von vielen einfach als nicht sinnvoll angesehen und abgelehnt", kommentiert Prudlo den Rekordzuspruch. So viele Neuanmeldungen hatte es nie zuvor gegeben. Die Eltern hätten hier "eine Entscheidung mit den Füßen" getroffen.
Dieser Trend setze sich auch beim Aufnahmestopp in der noch jungen IGS-Oberstufe fort. 33 Anmeldungen für Klasse elf hätten nicht berücksichtigt werden können, so Prudlo. Dass die Gymnasiasten-Quote im neuen fünften Jahrgang mit 60 Aufnahmeanträgen unterdurchschnittlich ausfalle, wertet Prudlo nicht als Enttäuschung. "Wir gehen davon aus, dass später in Klasse zehn aus dem jetzigen sogenannten Realschultopf etliche den erweiterten Abschluss und damit die Befähigung für die Oberstufe erreichen." Es gebe an den Grundschulen auch keine eindeutige Trennschärfe zwischen Realschul- und Gymnasialempfehlung. "Wir haben Anmeldungen mit gleichem Notenbild und unterschiedlicher Empfehlung gehabt." Als Pädagoge fühle sich Prudlo angesichts der Flut von Ablehnungen nicht wohl. "Dem Elternwillen sollte bei den Anmeldungen schon gefolgt werden können. Es wird deutlich, dafür reicht eine IGS in Peine nicht aus", sendet er eine unmissverständliche Botschaft an die Politik.
Die Bildungspolitiker seien nun aufgerufen, sich diese Zahlen genau anzusehen und "sich zu fragen, wie es mit der Schullandschaft in Zukunft weiter gehen soll". Die Schulstruktur-Debatte ist aus seiner Sicht längst nicht abgeschlossen. "An den Gymnasien hat die Nachfrage nicht nachgelassen. Aber man muss schon schauen, was langfristig auf Haupt- und Realschulen zukommt."
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