Die Jüngste textet sich zum Sieg
Ariane Hussy gewinnt ersten Poetry Slam in Meerdorf
MEERDORF. In Braunschweig laufen sie seit Jahren ziemlich gut, diese Poetry Slams, die man getrost etwas weniger peppig, aber darum nicht falsch, als Autorenwettbewerbe bezeichnen kann. Am Mittwochabend fand erstmals einer im Teatr dach statt.
Moderator Roland Kremer hatte das Erfolgsmodell nach Meerdorf exportiert. Und sicherheitshalber gleich drei erfahrene Slam-Größen mitgenommen.
Dazu brachten zwei Peiner Hobbyautoren den Mut auf, sich mit ihren Texten der unmittelbaren Bewertung des Publikums zu stellen. Respektable 30 Zuhörer und damit auch Juroren hatten sich, gemütlich um fünf Tischchen verteilt, zur Premiere eingefunden.
Souverän erklärte Kremer ihnen das unkomplizierte Regelwerk: Jeder Beitrag darf maximal fünf Minuten dauern und wird anschließend von den Tischrunden mit 1 unterirdisch bis 6 grandios bewertet. Die beiden Teilnehmer mit den meisten Punkten wetttexten im Finale um den Sieg.
Los gings mit dem Ilseder Horst Apel an, als kürzlich pensionierter Regierungsschuldirektor erfahren im Umgang mit Noten. Er trug ein spröde-kluges Gedicht als Referenz an den Maler Horst Janssen vor, dann eine hübsch gedrechseltes Märchen um eine gierige Eule und eine freundliche Grille. Anerkennender Applaus für den ältesten Teilnehmer. 22 Punkte.
Und gleich das krasse Kontrastprogramm: Der Braunschweiger Marcel Pollex, 30, erzählt so lakonisch wie überdreht von seinem "Alltag als Indie-Redakteur" des Satiremagazins Punchliner. Er trampt per Anhalter in die Redaktion, leckt "den Restkoks von den Klobrillen" und stimmt verrückte Textideen mit seinem "Sales-Manager in Kambodscha" ab. 24 Punkte.
Axel Klingenberg, 40, auch Braunschweig, fasst sich knapper und macht sich über sich und das Busfahren lustig. Die Zuhörer sind noch im Pollex-Rausch. 17 Punkte.
Marc Domin, 39, steuert eine schrille Vision seiner selbst als König von Meerdorf bei, die zum Scheitern verurteilt ist: "Hätte ich ein Traumdorf, wäre es Meerdorf. Leider ist meine Frau Stadtmensch und ziemlich dominant." 22 Punkte.
Doch das Rennen macht Ariane Hussy aus Vöhrum. Die ist 18, geht aufs Peiner Ratsgymnasium und schreibt in ihrer Freizeit expressiv-wortgewaltige Parabeln. Mit Meister-Sätzen wie diesen: "Das Publikum war ein einziges großes Auge, ein einziges großes Auge, das aufgehört hatte zu blinzeln." 24 Punkte.
Im Final-Duell überrundet sie in der Publikumsgunst sogar den kruden Pollex. Ok, sie hat auch die meisten Fans mitgebracht. Vielleicht sinds nächstes Mal noch mehr.











