Stimmung von Akkord zu Akkord
500 Zuschauer bei Ray Wilson und dem Berlin Symphony Ensemble "Genesis Klassik" in Kulturscheune verlegt
LEBENSTEDT. Da stand er. Mit Lausbubengrinsen. Und dirigierte mit ausgestreckten Zeigefingern sein laut singendes Publikum. Ray Wilson hatte sichtlich Spaß beim Auftakt seiner Genesis-Klassik-Tour in Salzgitter.
Zum Kultursommer in Schloss Salder war der gebürtige Schotte mit seiner Band und vier Streichern des Berlin Symphony Ensembles angereist. Doch das Wetter machte ihm am Mittwochabend einen Strich durch die Rechnung. Organisator Ralli Lewitzki vom städtischen Fachdienst Kultur verlegte das etwa zweistündige Konzert kurzerhand vom Schlosshof nach drinnen in die mit 500 Zuschauern ausverkaufte Kulturscheune.
Etwas Besseres konnte dem Phil-Collins-Nachfolger bei Genesis nicht passieren. In gedrängter Atmosphäre stieg die Stimmung von Akkord zu Akkord. Tief in die Plattenkiste griff der 40-Jährige und zauberte nicht nur musikalische Chartbreaker aus den vier Dekaden der britischen Band zutage. Nein, auch Songs aus "der Welt von Genesis", wie es Wilson nannte, standen auf seinem Programm. Soll heißen, Solo-Titel der Genesis-Musiker Peter Gabriel, Phil Collins oder Mike Rutherford. Und auch Material von seinen eigenen Bands und seiner aktuellen CD "Propaganda Man" mischte Ray Wilson erfolgreich mit unter.
Vor allem zu Beginn dominierten die langsamen, leisen Töne, bei denen Wilsons saubere, klare, tiefe und raue Stimme die Halle ausfüllte. Die Streicher indes blieben bis auf wenige Augenblicke Beiwerk. Ihr virtuoses Spiel verblasste häufig im kräftigen, harten, facettenreichen Spiel der schottischen Musiker.
Wer unter dem Titel der Show Genesis-Musik im besinnlichen, sanften, melodischen, klassischen Gewand erwartet hatte, staunte nicht schlecht. Wilson setzte zwar individuelle Akzente. Die aber waren rockig und in Anlehnung an seine eigene Band Stiltskin mit Elementen des Grunge versehen.
Sowohl stimmlich als auch in der Instrumentierung hob sich Ray Wilson deutlich von den poppigeren Genesis-Originalen ab und landete damit nicht selten wahre Volltreffer. So steckte er zum Beispiel mit seiner einfühlsamen, aber schnelleren Version von "Another Day in Paradise" Original-Sänger Phil Collins locker in die Notentasche.
Fröhlich kam Wilsons eigener Genesis-Lieblingssong "Follow you, follow me" rüber, zart und nur mit Gitarren- und Cello-Begleitung das Stück "Shipwrecked" vom "Calling all Stations"-Album, das Wilson 1997 mit Genesis aufgenommen hatte. Peter Gabriels "Solsbury Hill" sorgte für Partystimmung, "In the Air tonight", bei dem Wilson alleine mit seiner Gitarre auf der Bühne stand, für Begeisterungsstürme. Der Applaus gab ihm und seiner Truppe Recht. Wilson war angekommen in seinem "Caesars Palace", wie er die Kulturscheune kurzerhand betitelte.













