Mit dem Fahrrad über Berg und Stahl
CDU-Ratsherr Hermann Eppers will 52-Kilometer-Route durch die Stadt vermarkten
SALZGITTER. Nobby Nic versagt. Der Reifen, der alle Tests in den einschlägigen Fahrradmagazinen gewonnen hat, lässt mich im Stich. Seine groben Stollen, die angeblich so griffigen "U-Blocks", raspeln hilflos über den schmaddrigen Waldboden im Salzgitter-Höhenzug. Ich muss absteigen und den Rest des Berges hochschieben, und Hermann Eppers fährt weiter. Na toll.
Eppers will, dass seine Fraktion mit einem Antrag in den Rat geht: Seine Tour durch Salzgitter soll von der Stadt vermarktet werden. Von Thiede geht es über das VW-Werk und Bleckenstedt, Hallendorf, Lebenstedt, Salder und durch den Höhenzug bis zum Bismarckturm und zurück über Gebhardshagen, Heerter See, Watenstedt, vorbei an der Hauptverwaltung der Salzgitter AG nach Thiede. Rund 52 Kilometer.
"Das ist gut für Einsteiger geeignet, aber auch für Fortgeschrittene, die sich auf Harz- oder Alpentouren vorbereiten", sagt Eppers im Wintergarten des Bismarckturms, wo uns eine CDU-Abordnung aus Bernd Scherer und Petra Siems sowie Walter Strauß als Chef der Sport und Freizeit GmbH, Nicole Lüdicke von der Wirtschaftsförderung und Wirt Helmut Stolze nach zweistündiger Fahrt empfangen.
"Das finde ich klasse", sagt Strauß. "Wir würden da mit einsteigen." Und auch Nicole Lüdicke begrüßt die Idee. "Damit wird eine aktive Zielgruppe angesprochen." Bei Stolze soll diese Ansprache kulinarisch erfolgen: mit speziellen "Biker-Snacks" zu Sonderpreisen. Ähnliches plant auch die Bäckerei Schaper am Start- und Zielpunkt in Thiede, Adalbert-Stifter-Straße 111. Nun werde ein Sponsor gesucht, denn die Mountainbike-Route soll schließlich ausgeschildert und im Internet beworben werden. Außerdem solle es eine Karte dazu geben.
Bis zum ersten Anstieg hinter Salder geht es gemütlich durch den Norden der Stadt: Durch das Lange Holz, am VW-Werk vorbei. Bei Beddingen rollen wir über den Stichkanal und einen Kilometer am Kanal entlang mit großartigen Ansichten der Hütte und von Schacht Konrad 2. Hinter Bleckenstedt pedalieren wir, gegen den Wind ankämpfend, nach Hallendorf. Und müssen dort zum ersten Mal stoppen, weil sich ein VPS-Zug mit blauer Lok langsam über die Straße schiebt.
Die Sonne blinzelt durch buntes Laub, und wir greifen zu unseren Trinkflaschen, ehe wir auf den Radweg nach Lebenstedt abbiegen. "Jetzt wird es ernst", sagt Eppers, als wir die Mindener Straße in Salder überqueren. Ein paar Minuten und 70 Höhenmeter weiter öffnet sich die Landschaft und wir blicken über Lebenstedt weit nach Norden.
Ernst wird es dann tatsächlich auf dem Trail (siehe Stichwort): auf feuchten Steinen und Wurzeln rutsche ich, als hätte ich Eis unter meinen Nobbys. Nichts fährt mehr. Doch seltsam der zweite Trail vor dem Bismarckturm ist weniger glitschig und holt dieses Grinsen aufs Gesicht, für das man sich aufs Rad setzt. Wers gemütlicher mag, kann die Trails aber auch umfahren.
Auf dem Rückweg vom Bismarckturm schiebt uns der Wind über holprige Wege um den Heerter See, und wieder bieten sich interessante Ausblicke auf das Stahlwerk. Ab Heerte surren wir kommod auf Feldwegen und Asphalt bis Thiede. "So kann man Salzgitter von einer ganz anderen Seite erleben", sagt Eppers. Und ist schon fast fit für die Tour zum Brocken.













