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12. Februar 2012
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"Wir verwirren unsere Hunde"

Hunde-Erziehungsberater Holger Schüler gibt Besitzern am 10. Dezember im Focus-Cinemas Tipps zur Haltung


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LEBENSTEDT.  Wenn der Hund am Tisch bettelt, im Bett schläft oder den Postboten vergrault, dann gibt Holger Schüler Rat. Der aus Radio und Fernsehen bekannte Hunde-Erziehungsberater kommt am Donnerstag, 10. Dezember, 20 Uhr, mit seinem Programm "Menschen an der Leine" ins Focus-Cinemas. Im Gespräch mit SZ-Redakteurin Alexandra Ritter beantwortete der 40-Jährige aus Worms schon einmal einige der Fragen, die Salzgitters Hundehaltern möglicherweise auch auf der Seele brennen.

Wieso sind Sie Hunde-Erziehungsberater geworden?

Ich habe früher nur davon geträumt, einen eigenen Hund zu haben. Dass sich das dann so entwickelt hat, war Zufall. Ich habe erst einmal gelernt, mit meinem Hund umzugehen. Dann bin ich in die Rettungsstaffel Oberbayern gerutscht zu Fred Obermaier. Der hatte eine Wildtierauffangstation, in der auch Wölfe gelebt haben. Mit ihm habe ich an meinen Hunden und an mir gearbeitet. Ich habe von ihm das Verständnis mitbekommen, wie man mit Tieren umgeht, wie Hunde arbeiten, wie die Körpersprache aussieht. Ich habe mich weitergebildet, bis ich irgendwann gemerkt habe: Die Leute machen das, was ich sage, und es funktioniert. Also habe ich einen Beruf daraus gemacht.

An welchem Ende der Leine fangen denn die Probleme an?

Immer an der Seite des Menschen. Der Mensch ist grundsätzlich der Part, der Fehler macht.

Hat es der Hund schwer, Herrchen oder Frauchen zu verstehen? Hat er häufig das Gefühl, sie würden chinesisch mit ihm sprechen?

Ja. Wir verwirren den Hund über unsere Körpersprache so dermaßen, dass er teilweise nicht mehr weiß, wo vorne und hinten ist. Er fängt dann an, seine eigenen Dinge zu machen. Er interpretiert falsch, weil wir es falsch rüberbringen.

Welches sind die häufigsten Fehler, die Hundebesitzer machen?

Die Inkonsequenz ist ein großes Problem und das mangelnde Verständnis vom Hund. Wir probieren, menschlich zu arbeiten und vergessen, dass wir ein Tier an der Leine haben. Es ist kein Kinderersatz und auch kein Ersatz für irgendwelche anderen Probleme. Es ist ein Tier, das sein eigenes Leben hat und sehr individuell agiert.

Können Sie mal ein Beispiel nennen, bei dem der Mensch Fehler macht, so dass der Hund nicht mehr weiß, was er machen soll?

Wir arbeiten viel über Sprache und widersprechen uns. Zum Beispiel sagen wir "Tobi, komm her". Tobi kommt aber nicht so, wie wir wollen. Dann sagen wir im gleichen Atemzug: "Nein. Sitz. Hör auf. Komm her. Fein." Man sieht ganz oft, dass wir auf jede Aktion des Hundes mit einem anderen Kommando reagieren. Das ist gefährlich.

Thema Leinenzwang in den Städten. Wo kriegt der Hund heute noch den Auslauf, den er benötigt?

Unsere Gesellschaft wird immer enger, die Autos und Häuser werden immer mehr, und wir haben viele, viele Hunde. Das bedeutet, dass wir in verschiedenen Situationen und Gebieten einfach den Hund anleinen müssen. Das ist auch ein Stück Rücksichtnahme. In der Stadt sollte man den Hund immer an die Leine nehmen, weil nicht jeder Mensch glücklich ist, wenn er einen freilaufenden Hund sieht. Andererseits müssen auch die Städte darauf achten: Je mehr sie die Hundebesitzer beschneiden, desto mehr müssen sie auch Gebiete freigeben, in denen man die Hunde rennen lassen kann. Außerhalb des örtlichen Bereichs kann man Hunde freilassen. Das Problem: Auch da wird oft keine Rücksicht genommen. Wild wird gejagt, gehetzt. Es verenden Rehe an Wildzäunen, weil die Hundebesitzer nicht aufpassen. Viele wissen auch nicht, wann Brutzeit ist.

Erst am Montag hat ein Hund einen Vierjährigen in Liverpool totgebissen. Muss man bei einem Hund, so lieb er auch ist, grundsätzlich aufpassen, weil es letztendlich ein unberechenbares Tier bleibt? Oder ist in solchen Fällen der Besitzer schuld?

Das ist eine ganz verzwickte Frage. Grundsätzlich ist es so: Wir haben es immer noch mit einem Tier zu tun. Ich würde meinem Hund auch keine 100 Prozent geben. Ganz oft ist es allerdings auch der Fall, dass Hunde in Menschenhand kommen, in die sie nicht gehören. Ich finde zum Beispiel: Hütehunde sollte man keinen Privatmenschen mehr geben. Denn es gibt genügend Unfälle mit diesen Hunden, weil sie beißen. Wie treibt zum Beispiel ein Hütehund zusammen? Er beißt die Tiere in die Waden. Die wenigsten Besitzer, die solche Hunde haben, haben die Zeit und die Arbeitsmoral, die die Hunde brauchen. Es reicht nicht, zweimal am Tag um den Block zu laufen. Die Hunde brauchen Beschäftigung.

Gibt es Hunde, die von Grund auf böse sind?

Es gibt keinen bösen Hund. Es gibt nur böse Menschen. Jeder Hund, der auf dieser Welt ist, ist von einem Menschen gezüchtet worden – für seine Arbeit, seinen Kampfgeist oder zum Bewachen. Ich kann zum Beispiel nicht sagen, dass ein Rhodesian Ridgeback ein aggressiver Hund ist. Der ist damals für die Löwenjagd gezüchtet worden. Dass so ein Hund einen eigenen, starken Willen hat, ist normal. Man sollte immer hinterschauen: Was für eine Hunderasse habe ich vor mir? Für was ist sie gezüchtet worden? Den Züchtern sollte man mehr auf die Finger klopfen und sie mehr unter Kontrolle setzen. Der Hund kann nichts dazu, der ist so gezüchtet worden.

Was halten Sie von einem Hundeführerschein für Leute, die Hunde halten wollen?

Nicht viel. Den macht man einmal, und dann vergisst man alles. Einen Hundeführerschein finde ich nur dann sinnvoll, wenn er den Menschen die Möglichkeit bietet, kostenfrei oder kostengünstig mit einem Fachmann zu trainieren. Ich weiß aber wirklich nicht, wie man heutzutage Beißunfälle verhindern kann. Das bekomme ich mit einem einmaligen Hundeführerschein nicht hin. Ihn mehrmals zu machen, das wäre dagegen sinnvoll.

Sie besitzen zwei Hunde. Haben Ihre beiden einen Adventskalender?

Bei mir kriegen die Hunde keine Adventskalender. Ich finde aber, jeder Mensch kann das tun, was er möchte, solange es dem Hund nicht schadet. Wenn er seinen Adventskalender bekommt und da jeden Tag ein Knöchelchen drin ist, sollen’s die Leut’ doch machen. Das ist kein Thema, solange der Hund nicht gequält wird, die Nägel lackiert oder Tütüs angezogen bekommt.

Donnerstag, 03.12.2009
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11363882/menuid/2163
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