Die meisten können Unterhalt nicht zahlen
Bedarfssätze für Kinder getrennt lebender Eltern steigen um 13 Prozent Stadt informiert und berät
SALZGITTER. Die Unterhaltszahlungen für Kinder getrennt lebender Eltern sind am Jahresanfang so stark gestiegen wie noch nie im Durchschnitt um 13 Prozent gegenüber 2009. Der städtische Fachdienst Kinder, Jugend und Familie legt Sonderschichten ein, um alle Betroffenen anzuschreiben.
Wie berichtet, bleibt die Abteilung Unterhaltsbeistandshilfen in dieser Woche geschlossen. Teamleiterin Gerlinde Albrecht sagt: "Wir müssen 400 zahlungsfähigen Elternteilen die neuen Unterhaltssätze mitteilen." In Salzgitter seien 90 Prozent der Unterhaltspflichtigen Männer, 10 Prozent Frauen "mit steigender Tendenz".
Anschließend werden 220 Elternteile angeschrieben, die den Unterhalt nur teilweise aufbringen können, da sie nicht genug verdienen.
Etwa 1000 Betroffene zahlen gar keinen Unterhalt. "Nicht weil sie nicht wollen, sondern weil sie nicht können", sagt stellvertretende Teamleiterin Sigrid Purps. 900 Euro von ihrem Einkommen dürfen die zahlungspflichtigen Väter und Mütter für Miete, Lebensmittel und anderen Bedarf behalten. Purps: "Doch viele arbeiten zu niedrigen Löhnen, zum Beispiel für 6,50 Euro die Stunde als Leiharbeiter. Da kommen sie im Monat gerade auf 900 Euro."
Kinder, bei denen der unterhaltspflichtige Elternteil zu wenig verdient, profitieren nicht von der Erhöhung der Bedarfssätze. Nur bei denen, deren Väter oder Mütter zahlungsfähig sind, wirken sich die 13 Prozent Erhöhung aus.
Die Sachbearbeiter kennen ihre Klientel zum Teil seit vielen Jahren. Purps stellt fest: "Nur wenige Elternteile wollen nicht zahlen." Die Abteilung bietet allen Trennungs- und Scheidungsfamilien eine kostenlose Beratung in Unterhaltsfragen an. Albrecht: "Auch im Vorfeld einer Trennung. Da lässt sich viel Streit vermeiden."
2009 wurden nach Angaben des Standesamtes 261 in Salzgitter geschlossene Ehen geschieden. Diese Zahl ist seit Jahren konstant.
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