Chemieunfall: Feuerwehr räumt Schule
Chemielehrerin verschüttet ätzendes Brom – Vier Lehrer und eine Schülerin mit Atembeschwerden behandelt
Alarm gestern Mittag im Gymnasium Salzgitter-Bad – im Vorbereitungsraum der Chemiesammlung ist einer Lehrerin eine Flasche mit Brom aus der Hand gefallen. Das Halogen ist giftig und ätzend, die Schule muss geräumt werden.
Nach Angaben der Feuerwehr meldeten sich bis gestern Abend vier Lehrer und eine Schülerin im Klinikum, um sich wegen Atembeschwerden behandeln zu lassen.
Schon wenige Minuten nach dem Unfall steht der Schulhof voller Feuerwehrautos, hastig schlittern die Feuerwehrmänner über das Eis, rollen Schläuche aus, bauen Zelte auf und sperren mit rot-weißen Absperrbändern ab. Ein Schauspiel, das sich Philipp Strauss aus der 11. Klasse nicht entgehen lässt: "Endlich ist mal was los an der Schule." Was ist passiert? "Um 13.55 Uhr gab es eine Durchsage, dass Trakt 5 geräumt werden soll. Drei Minuten später hieß es, dass alle Gebäude geräumt werden müssen", sagt Philipp.
Den Grund dafür kennt Einsatzleiter Martin Mann: "Einer Lehrerin ist eine 200-Milliliter-Flasche mit Brom kaputtgegangen. Brom ist ätzend und giftig, damit ist nicht zu spaßen." Entsprechend groß ist der Aufwand. Die Feuerwehr rückt mit dem Gefahrgutzug, dem Messtrupp, der Informations- und Kommunikationsfachgruppe, allen Einheiten der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr Ringelheim an. Rund 75 Männer sind im Einsatz. Um 14.18 Uhr betreten zwei Männer in grünen Chemikalienschutzanzügen Trakt 5, sie sollen den Chemieraum im 3. Stock der Schule kontrollieren. Man sieht sie wie grüne Astronauten vor dem offenen Fenster hantieren. Wenige Minuten später melden sie über Funk, dass keine Flüssigkeit mehr auf dem Boden ist.
Trotzdem gehen die Einsatzkräfte mit größter Vorsicht vor. Nachdem sie das Gebäude verlassen haben, stellen sich die beiden Männer vor dem Dekontaminationszelt in eine Wanne, die mit einer Plastiktüte ausgekleidet ist. Zwei Helfer in leichteren Schutzanzügen, Stiefel und Handschuhe mit Klebeband abgedichtet, helfen ihnen beim Ausziehen. Sie drehen den Schutzanzug auf links und verschließen die Tüten. Die Anzüge werden laut Mann nach dem Einsatz entsorgt. Zu groß sei die Gefahr, dass noch Brom in der Kleidung festsitzt und ausgast. "Dekontaminationsverschleppung" nennen das die Feuerwehrleute. "Brom ist nicht wasserlöslich, deswegen kann man die Männer nicht abspritzen", erklärt Martin Kröhl, Abschnittsleiter Einsatz. Dem ersten Trupp folgt ein zweiter in Schutzanzügen. Sie sollen messen, ob Brom in der Raumluft ist. Wie Wunderkerzen halten sie die Messstäbchen vor sich, während sie über den Schulhof auf Trakt 5 zuschlittern.
Zwei weitere Männer in Schutzanzügen stehen bereit, um einzugreifen, falls dem Messtrupp etwas zustößt. Doch die Messung fällt negativ aus. Um 15.15 Uhr gibt Mann das Gebäude frei. Der Chemieraum wird jedoch versiegelt, er muss erst von einer Spezialfirma gereinigt werden.
Die Feuerwehr ruft alle Personen, die sich zum Unfallzeitpunkt im Gebäude befunden haben, auf, sich bei Beschwerden wie Hustenreiz, Brennen der Schleimhäute oder Kurzatmigkeit umgehend in die Notaufnahme eines Krankenhauses zu begeben.













