Der Lack ist ab – schon vor der Fahrt
Alstom stellt erstmals den neuen U-Bahn-Triebwagen DT 5 für die Hamburger Hochbahn vor
Alstom baut gemeinsam mit Bombardier für die Hamburger Hochbahn AG die neue U-Bahn DT 5. Der Wagenaufbau kommt aus Salzgitter. Gestern wurde das Fahrzeug erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die richtige Beleuchtung, leicht bekleidete Hostessen, die das Geheimnis lüften – einen Sportwagen in Szene zu setzen ist leicht. Aber eine 40 Meter lange U-Bahn? Schwierig.
Marc Diening, General Manager Bombardier Hennigsdorf, steht neben dem DT 5 in der Halle A 80 und gibt sich redlich Mühe, das Fahrzeug ins rechte Licht zu rücken. Der DT 5 sei ein "Produkt, das neue Standards setzt" und "begeisterungsfähig" sei. Er biete "noch mehr Innovation, noch mehr Angebot" und schon sei Äußeres sei "nicht alltäglich, es begeistert." Das sei auch gut so, denn um mit einer U-Bahn wettbewerbsfähig zu sein müsse man, Sie ahnen es, "begeistern".
Sorge vor Flecken und Kratzern
Die Begeisterung schwappt noch nicht so recht über. Zwei Kollegen der Fachpresse, Kameras mit großen Objektiven baumeln vor den Bäuchen, betrachten den Zug argwöhnisch. "Bin ja mal gespannt, wie der nach zwei Jahren Betrieb aussieht. Schön fleckig und zerkratzt", meint der eine. Und sein Nachbar nickt wissend. Sogar das Wort vom "Lufthansakoffer" macht die Runde.
Denn: Der DT 5 ist nicht lackiert. In der Halle blitzt silbrig-glänzender hochfester, rostfreier Leichtbau-Edelstahl. Nur die Türen sind rot lackiert, rot, wie das Hamburger Stadtwappen. Was den Journalisten gewöhnungsbedürftig erscheint, preist Ulrich Sieg vom Vorstand der Hamburger Hochbahn AG als großen Vorteil an. "Dadurch sparen wir Gewicht und können die Fahrzeuge besser sauber halten."
Tatsächlich ist laut Martin Lange, Vorsitzender der Geschäftsführung Alstom Transport Deutschland, nicht zuletzt die Notwendigkeit, Gewicht zu sparen, ausschlaggebend dafür, dass der DT 5 aussieht, wie er eben aussieht – nackt. Denn die ganze neue Technik, die der Zug mit sich führt, habe ein ziemliches Gewicht. Die Strecken in Hamburg seien aber nur begrenzt belastbar. Also habe man beim Gewicht an anderer Stelle einsparen müssen. Unter anderem bei der Lackierung. Einige hundert Kilogramm mache das aus. Das Mikrophon in der linken Hand, die rechte Hand in der Hosentasche, schreitet Sieg der Journalistenmeute voran durch die Abteile und listet die Vorzüge seiner Neuanschaffung auf – das angenehme Sitzgefühl, die Sprinkleranlage an der Decke und Kameras, die 24 Stunden lang alles aufzeichnen. Sein Fazit: "Wir sind sehr zufrieden."
60 Millionen Euro Auftragswert für Alstom
Das ist man auch bei Alstom. "Das ist kein Riesenauftrag für Alstom", sagt Lange. Aber der Konzern profitiere technisch von dem Auftrag. Denn der DT 5 sei eine Neuentwicklung. Alstom habe sich bei der Entwicklung Know-how aneignen können, das es nun erlaube, das Produktportfolio "abzurunden". Das Auftragsvolumen beläuft sich auf 240 Millionen Euro, laut Lange beträgt der Alstom-Anteil davon 60 Millionen Euro. Der Fahrzeugaufbau kommt aus Salzgitter.
Laut Lange hätte Alstom die Bahnen auch alleine bauen können. Die Zusammenarbeit sei jedoch "bewährte Praxis" und außerdem vom Auftraggeber gewünscht. Zunächst sollen 27 Fahrzeuge nach Hamburg geliefert werden und ab Frühjahr 2011 in Betrieb gehen. Sollten die Bahnen auch dann noch "begeistern", gibt es eine Option auf mindestens 40 weitere Fahrzeuge.













