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14. Februar 2012
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Salzgitter sagt Nein zu Kinderarbeit

Stadt will bei Ausschreibungen auf die Herkunft der Produkte achten – Entscheidung am 28. April im Rat

Von Alexandra Ritter

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"Je mehr sich öffentlich dazu bekennen, keine Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit zu beziehen, desto größer wird der Druck auf die Länder, in denen es Kinderarbeit gibt", sagt Oberbürgermeister Frank Klingebiel.

Er will künftig dafür sorgen, dass die Stadt bei ihren Ausschreibungen nur auf Produkte und Dienstleistungen zurückgreift, die nicht im Zusammenhang mit Kinderarbeit stehen. Die Entscheidung darüber fällt am 28. April im Rat.

"Wir werden künftig Nachweise und Erklärungen einfordern, wenn wir Verträge abschließen", sagt Christa Zimmany. Sie ist beim Fachdienst Stadtplanung, Umwelt und Baurecht für Vergabeangelegenheiten zuständig. Stichprobenhafte Recherchen hätten ergeben, dass die Stadt bisher wahrscheinlich keine Produkte aus Kinderarbeit bezogen habe, denn sie seien fast ausschließlich auf dem europäischen Markt gekauft worden. "Aber ausschließen können wir das dennoch nicht mit Sicherheit", sagt Zimmany.

Das gelte auch für die Zukunft. "Wir können die Produktionskette nunmal nicht bis ans letzte Ende zurückverfolgen", erklärt Roswitha Krum, Leiterin des Fachdienstes Kinder, Jugend und Familie. Doch Oberbürgermeister Klingebiel ist sich sicher: "Wenn die Unternehmen bei uns eine Erklärung unterschreiben und sie dann verletzen, können wir die Firmen beim nächsten Vergabeverfahren ausschließen. Das werden die sich gut überlegen."

Kinderarbeitern würden Kindsein und Bildung verwehrt, betonen Helga Heidenblut und Hannelore Viciano-Gofferje von der Kirchengemeinde St. Joseph. Sie werben in ihrer Gemeinde seit langem für den Kauf von "fair gehandelten Produkten" und machten Klingebiel auf das Thema aufmerksam. "Nur 1,53 Prozent des Kaffees ist etwa fair gehandelt", sagt Viciano-Gofferje und verweist auf weitere Problemfelder: Spielwaren und Elektronikartikel. Der Kunde müsse sich überlegen, ob er dem niedrigeren Preis Vorrang gebe und damit Kinderarbeit in Kauf nehme oder doch lieber die etwas teureren, aber fair gehandelten Produkte kaufe, fügt Heidenblut an.

Apropos teuer: Kann sich die Stadt denn bei der derzeitigen Haushaltssituation überhaupt höhere Kosten leisten? Auf den Haushalt werde sich die Beschlussvorlage nicht auswirken, weist Klingebiel diese mögliche Kritik schon jetzt von sich. "Das wird den Haushalt nicht so belasten, dass es zu spüren ist."

 

FAKTEN:

2006 veröffentlichte die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) folgende Zahlen: 

218 Millionen Kinder unter 15 Jahren arbeiten weltweit, fast 126 Millionen von ihnen unter ausbeuterischen Bedingungen.

73 Millionen dieser Kinder sind jünger als zehn Jahre; Tendenz steigend.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fördert das Projekt "Kommunen aktiv gegen Kinderarbeit".

158 Ratsbeschlüsse  gegen Kinderarbeit wurden bisher bundesweit gefasst.

  Quelle: Stadt Salzgitter

Samstag, 13.03.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11909925/menuid/2163
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