60 Fernseh-Sender sind kein Indiz für Freiheit
Luise Kinseher gibt Orientierungskursus in der Kniki
SALZGITTER-BAD. Luise Kinseher ist ein Unikum. Mit einem "Kursus für Orientierungslose" im "Hotel Freiheit", so der Titel ihres neuen Programmes, brillierte die 41-jährige Kabarettistin am Freitagabend in der Kniestedter Kirche.
Die Kleinkunstbühne hatte eingeladen und verbuchte ein volles Haus. Kinseher entführt das Publikum in ein 3000 Meter hoch gelegenes Berghotel, spielt sechs verschiedene Frauentypen und macht dabei knackiges Kabarett.
"Freiheit braucht Wurzeln, sonst fliegt sie uns davon", philosophiert sie an einer Stelle und hält dem Publikum vor Augen, dass auch in einer Demokratie nicht immer von Freiheit die Rede sein kann. "Wir können aus 60 Fernsehprogrammen auswählen, aber zeugt dies wirklich von Freiheit?" Kinseher gelingt es, ernste Themen so unterhaltsam zu verpacken, dass Ernsthaftigkeit und Witz einander nicht ausschließen.
Die Kabarettistin und Schauspielerin agiert nicht nur mit spitzer Zunge, sondern erzeugt allein mit ihrem Auftreten kraftvolle Präsenz, so dass das karge Bühnenbild (Ein Tisch, ein Stuhl) überhaupt nicht stört. Kinseher zieht ihr Publikum allein durch ihre ausgereifte Künstlerpersönlichkeit in den Bann.
Manche Zuschauer, vornehmlich die in der ersten Stuhlreihe, entrinnen der Kabarettistin nicht, die sie in hinreißend komische Dialoge verwickelt. Rollenwechsel nimmt Kinseher in rasantem Tempo vor.
Schließlich wird Luise Kinseher von der Hotelchefin genötigt zu jodeln Kein Wunder, als echte Bayerin muss sie das können. Spätestens jetzt ist das Publikum völlig aus dem Häuschen. Der vergnügte Abend endet mit drei deftigen Zugaben.













