Großreinemachen bei Sturm und Regen
Rund 3200 Helfer bei Aktion "Salzgitter putzt sich" – Klagen über weggeworfene Flaschen und Hundehaufen
Der letzte Schnee taute in der Nacht zum Samstag. Einsetzender Nieselregen war zu ertragen. Also machten sich – warm angezogen – Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf, um zum neunten Male ihre Stadt zu putzen.
Waltraud Schulz aus Gitter ist eine überzeugte Wiederholungstäterin, sie befreit bereits seit Beginn der Aktion mit ihrer Familie den Forstweg und die Salderaner Feldmark von Unrat. Diesmal sind ihre Mutter Melitta (84), Ehemann Günter und Sohn Kai dabei. Der wird unterstützt von Freundin Wiebke und seinem Freund Patrick. "Wir haben vor Jahren ein Motorrad im Wald gefunden und damit geholfen, einen Versicherungsbetrug aufzudecken", erzählt Waltraud Schulz stolz.
Zwischen 50 und 80 Schnappsfläschchen der Marke Mümmelmann habe jedes Familienmitglied alljährlich aufgesammelt, ergänzt die energiegeladene, blonde Frau und greift zur Trompete. Gemeinsam mit der Chorgemeinschaft Salzgitter trägt sie vor das von Horst Molkentin getextete Frühlingsputzlied: Salzgitter sicher und sauber, zur Melodie von "Im Märzen der Bauer..."
"Im nächsten Jahr, beim 10. Stadtputztag werde ich diesen Gruppen eine kleine Freude machen", verspricht Dietrich Leptien, Leiter des städtischen Regiebetriebes (SBR). Dessen Mitarbeiter hätten im Winter fast rund um die Uhr gearbeitet, lobte Oberbürgermeister Frank Klingebiel. In seinen Dank schloss das Stadtoberhaupt auch die nahezu 3200 jungen und älteren Helfer ein. Vor allem aufgrund des Wetters wurde der Teilnehmerrekord von 4400 aus dem Vorjahr verfehlt.
Je kleiner der Ortsteil, desto größer schien diesmal die Helferschar zu sein, die Salzgitter putzte. "Heute sind wir 30, wir waren aber auch mal nur zu zweit", erinnert sich Annette Berndt in Immendorf. Dort sammelte die Schar um Ortsheimatpfleger Otto Vogelsang-Weber unter anderem einen alten Sonnenschirm ein, der im nächsten Sommer keinen Schatten mehr gespendet hätte. Gerade an der B 248 würden vor allem aus Autos heraus Schnappsflaschen in den Straßengraben geworfen.
"Wir haben wieder eine Geldbörse gefunden und leider sogar drei benutzte Spritzen im Gebüsch", zog SPD-Ratsherr Peter Ramacher Bilanz der Putzaktion seiner Fraktion entlang der Neißestraße. – Großes Gefahrenpotenzial für spielende Kinder und auch Hunde.
Im Süden waren die Gruppen selbst in den Dörfern aufgrund des Sturms und Regens etwas kleiner als im Vorjahr. Mancher Bewohner blieb bei dem unbeständigen Wetter lieber zu Hause. Das Mütterzentrum hatte sogar das Putzen auf Tage mit sonnigem Wetter verschoben.
Großeinsatz dagegen in Beinum. Hier hatte die Dorfgemeinschaft zum Frühjahrsputz eingeladen und fast 40 Freiwillige kamen. Rund um die Kirche und auf dem Kinderspielplatz wurde nicht nur Unrat aufgesammelt. Alles wurde zusammen geharkt und der Platz gefegt.
Gast alle Gruppen berichteten, dass nicht ganz so viel Unrat die Landschaft verschandelte, wie in den Anfangsjahren der Putzaktion. Das Pfandsystem bei Flaschen und Dosen zeigt erzieherische Wirkung. Dennoch kam reichlich Abfall zusammen. Auffällig fanden es die Bergsteiger der Sektion Kattowitz, dass zwischen Thermalsolbad und dem Hasenspring sehr viele Taschentücher im Laub lagen. Hier half gar ein Gast aus München: Bernd Schmeuser, der Chef der Bergvagabunden, Ableger der salzgitterschen Sektion.













