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14. Februar 2012
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Geschichtenerzähler in Gotteshäusern

Gerold Lüerßen absolviert Ausbildung zum Kirchenführer – Besucher erhalten Hilfe zum Deuten der Zeichen

Von Thomas Saalfeld

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St. Maria Magdalena ist schlicht, fast schmucklos. Doch der erste Eindruck täuscht – wie so oft. Gerold Lüerßen schwärmt vom Klapp-Altar, der mehrere Jahrhunderte auf einem Kirchendachboden unentdeckt verstaubte.

"Die dritte Figur von links in der oberen Reihe ist Apostel Andreas, er trägt das Andreas-Kreuz", sagt Lüerßen. Solch kleine Geschichten und die Symbolik, denn in Kirchen sei nichts zufällig, will der 57-Jährige Besuchern von Gotteshäusern näher bringen. Er lässt sich von der Evangelischen Landeskirche Braunschweig zum ehrenamtlichen Kirchenführer ausbilden. Der Salderaner hält als einziger im Kreis der 16 Kursusteilnehmer Salzgitters Fahne hoch. Die meisten sind aus Braunschweig, Bad Harzburg, Seesen und dem Raum Helmstedt.

"Ich will Kirchenbesucher nicht mit Jahreszahlen vollstopfen", nennt Lüerßen sein Credo. Bereits zwei Gruppen hat er in diesem Jahr durch das Gotteshaus geführt, dessen Kirchenvorstand er seit vier Jahren angehört. Die zweite Besuchergruppe kam auf Empfehlung von Mitgliedern der ersten. Was will er mehr?

Jutta Salzmann vom Landeskirchenamt in Wolfenbüttel: "Der gelegentliche Kirchenbesucher ist meist überfordert, die Symbolsprache der Kunst in Kirchen zu deuten." Selbst die Position des Taufbeckens habe ihren Grund.

"Rechts und links saßen die einfachen Leute, in der Mitte die Bediensteten des Schlosses und oben auf dem Balkon der Erbprinz August Wilhelm zu Braunschweig und Lüneburg – auf Augenhöhe mit dem Pastor in der Kanzel", gerät Lüerßen ins Schwärmen. Mit ähnlichem Eifer erzählt der stellvertretende Vorsitzende der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft Salzgitter von Führungen auf der Burgruine Lichtenberg und den Ausgrabungen der historischen Funde. Dort verbringt er in den Sommermonaten fast jedes Wochenende.

Der Elektroingenieur hat für Bosch Navigationsgeräte sowie Prüfkonzepte für Motorsteuerungsgeräte entwickelt. Seit vorigem November ist er im Vorruhestand. Wenige Wochen später fragte die Evangelische Landeskirche lyrisch: "Wer will Kirchen zum Sprechen bringen?" Lüerßen war sofort Feuer und Flamme. Er ließ sich auch von 450 Euro Kursusgebühren nicht abbringen, allerdings übernehmen seine Gemeinde sowie die Propstei je ein Drittel. Im November will er nach sieben Schulungswochenenden mit Kirchenpädagoginnen und Theologinnen die Abschlussprüfung ablegen.

Künftig wird der Salderaner Besuchergruppen vor allem durch heimische St. Maria Magdalena und Bruchmachtersens schon im 12. Jahrhundert erbaute Dorfkirche führen. Sicher kommen dann etliche kleine und große Geschichten hinzu, denn Lüerßen hat sich fest vorgenommen: "Mit bloßem Aneinanderreihen von Jahreszahlen treibe ich niemand aus dem Gotteshaus."

Kontakt für Kirchenführungen über die jeweiligen Pfarrämter oder E-Mail: gerold.lueerssen@gmx.de

Mittwoch, 17.03.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11930928/menuid/2163
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