Mit Schirm, Spikes und Pudelmütze
Im eisigen Norden Europas besteht den Winter nur, wer die richtige Ausrüstung hat
SALZGITTER-BAD. Schlaglöcher, Salzknappheit, nicht geräumte Straßen, leere Stadtkassen der vergangene Winter hat mit aller Härte zugeschlagen. In anderen Ländern Europas begegnet man solcher Unbill mit mehr Gelassenheit.
Im frosterprobten Finnland zum Beispiel. Von dort, genauer gesagt aus Tampere im Südwesten, ungefähr auf gleicher Höhe wie Salzgitters Partnerstadt Imatra gelegen, kommt SZ-Leserin Tarja Lankienen-Mamitzsch. Während die Zeitungen hierzulande bereits die ersten Bilder blühender Krokusse abdrucken, hat Väterchen Frost ihr Heimatland noch fest im Griff.
"Die letzten Winter waren in Finnland mild, die Temperaturen betrugen 10 bis 15 Grad", erzählt Lankienen-Mamitzsch. Minus selbstverständlich. Den letzten finnischen Winter erlebte sie im Januar 2002: "Da war es sehr kalt, minus 32 Grad." Generell sei es aber eine trockenere Kälte als in Deutschland, leichter zu ertragen. "Man braucht natürlich die richtige Kleidung", sagt Lankienen-Mamitzsch.
Grundsätzlich ist für das Überleben im eisigen Norden die passende Ausrüstung entscheidend. Von Anfang November bis Ende März donnern die Finnen mit Stahlnägel-Winterreifen, Spikes genannt, über ihre Straßen. In Deutschland sind die Stacheln seit 1975 verboten, da sie die Fahrbahn beschädigen. Sie geben auf eisglatter Fahrbahn mehr Haftung, denn Salz wird in Finnland generell nicht gestreut. Natürlich gilt ein Tempolimit.
Auch in Sachen Winterdienst wird den Finnen mehr abverlangt. Denn nicht nur vor, sondern auch auf dem Haus muss geschippt werden. "Bei uns nennt man das eine empfohlene Pflicht", erklärt Tarja Lankienen-Mamitzsch, die seit langem in Salzgitter-Bad lebt. "Der Schnee liegt meterhoch auf den Dächern, da müssen die Leute rauf und schippen." Hier kommt wieder die Ausrüstung ins Spiel: "Eigentlich ist vorgeschrieben, sich mit einem Gurt zu sichern, aber das machen nicht alle. Deshalb gab es diesen Winter schon vier Tote durch Stürze", erzählt die gelernte Krankenschwester.
Zu den Schneemassen kommt erschwerend die Dunkelheit hinzu: "In Tampere wird es im Winter zwischen 9 und 10 Uhr hell, aber schon um 2 Uhr mittags wieder dunkel, erst im März wird es wieder freundlicher", sagt Tarja Lankienen-Mamitzsch. Vielleicht steckt das nicht jeder weg, jahrelang hatte Finnland eine der höchsten Selbstmordraten weltweit.
Vor Winter, Kälte und Dunkelheit ist Tarja Lankienen-Mamitzsch trotzdem nicht nach Deutschland geflohen. Sie ist nach einem Auslandsjahr einfach hängengeblieben. "Wissen sie, der Winter in Finnland kann wunderschön sein. Hier war es dieses Jahr richtig ätzend."













