Würfel aus 10 000 Spielkarten
Projekt Menger Schwamm: Gymnasiasten aus Salzgitter-Bad bauen ein Objekt ohne Kleber
Wenn Freitagnachmittag die Klassenbücher geschlossen und die Französisch-Verben schon längst von den Tafeln gewischt sind, geschieht im naturwissenschaftlichen Trakt des Gymnasiums Salzgitter-Bad Wunderliches.
Hier entsteht ein Menger Schwamm. Und zwar mithilfe unzähliger Kartenspiele. Hoch oben, quasi unterm Dach, treffen sich seit rund vier Wochen eine Handvoll Schüler zwischen 15 und 17 Jahren und falten – alte Skatspiele, Rommé-Karten, Formel-1-Quartette. Bis jetzt haben sie gut 10 000 Karten zu drei großen Würfeln verarbeitet - ohne Klebstoff und Tesafilm, wohlgemerkt.
Und am liebsten wäre es ihnen, sie würden noch einmal 950 000 Stück falten können. Erst dann ist er nämlich fertig, der große Menger Schwamm, 4,80 Meter hoch, tief und breit, den die Gymnasiasten im Auge haben. Menger? Schwamm? Wie bitte?
Simon Matthee, 17 Jahre, klärt auf. "Das ist ein Fraktal, ein selbstähnliches Gebilde. Wenn wir einen Ausschnitt nehmen, finden wir die Form des ursprünglichen Gebildes wieder. Wir haben hier also einen großen Würfel, der aus vielen kleinen Würfeln besteht." Namensgeber ist der österreichische Mathematiker Karl Menger (1902-1985).
Sechs Karten ergeben den kleinsten Würfel, die Objekte im Klassenzimmer bestehen jeweils aus 2400 Königen, Buben und Damen.
Simon Matthee war es auch, der seine Mitschüler auf die Karten-Falt-Idee brachte, nachdem er darüber im Internet gelesen hatte. Mit einem Kartenspiel fing es schließlich an. "Und dann konnten wir nicht mehr aufhören."
Seitdem gehen die Freistunden für den Menger Schwamm drauf: Die Gruppe ist unterteilt in Falter und Bauer, alles hat System. Der Knackpunkt: Bald sind die Karten alle. Sämtliche Keller und Dachböden, Kisten und Schränke der Gymnasiasten wurden schon durchforstet. Selbst der Vorrat von Skatspieler und "Mitfalter" Pascal Kamphenkel ist bereits verbaut - immerhin fünf Schubladen voller Karten hat er Zuhause gefunden. Kamphenkel hat mit Unterstützung seines Vaters mehrere Salzgitteraner Unternehmen angeschrieben und um (Karten)-Spenden gebeten. Einige haben auch geantwortet – gereicht hat das aber nicht. "Wir können alle genormten Karten gebrauchen", sagt Kamphenkel. Wichtig ist eine Breite von 5,9 Zentimetern. Die Höhe sei egal, die könne man im Notfall auch zurechtschneiden. Und wer weiß, vielleicht läuft das Experiment "Menger Schwamm" sogar auf Höheres hinaus: "Es wäre wohl ein Weltrekordversuch", sagt Kamphenkel. 960 000 Karten, die ohne Klebstoff verbaut worden sind, haben die Schüler so noch nicht entdecken können. Auch nicht im Guiness Buch der Rekorde.
Das erste Etappenziel, einen Würfel, der 1,60 Meter hoch, tief und breit ist, haben die jungen Konstrukteure auf jeden Fall fest im Blick. Der könnte, genügend Karten vorausgesetzt, in wenigen Tagen entstehen, hoch oben im naturwissenschaftlichen Trakt.
Aber auch wenn die Gymnasiasten jede Karte verbauen, die ihnen in die Hände gerät – ein einziges Kartenspiel haben die Schüler immer in der Hinterhand: ihr Doppelkopf-Spiel, mit dem sie sich die Pausen vertreiben. Das aber wird wohl nicht verbaut. "Das ist unsere eiserne Reserve, die behalten wir", sagt Kamphenkel. Menger Schwamm hin oder her.













