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11. Februar 2012
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Salzgitters heimlicher 32. Stadtteil

Hobby-Kameramann Hans-Jürgen Gebel dreht einen Fernsehfilm über Thiede und Steterburg

Von Karen Fröhlich

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In Salzgitter sind sie alle zu Hause. Aber sind alle Thieder auch wirklich Thieder? Gibt es in Salzgitters drittgrößtem Stadtteil nicht auch Steterburger? Oder andersherum gefragt: Besteht Salzgitter nicht nur aus 31 Stadtteilen, sondern vielleicht doch aus 32?

Dieser Frage spürt Hobby-Kameramann Hans-Jürgen Gebel in seiner jüngsten Produktion für den Sender TV 38 mit einem Augenzwinkern nach. Er ist in der Wald- und Talsiedlung in Salzgitter-Bad großgeworden und 1978 nach Thiede übergesiedelt. Steterburg oder Thiede – den Zugezogenen ficht das Gezerre nicht an. Zudem wohnt Gebel in der Nähe der alten Tonkuhle, also quasi im Niemandsland zwischen beiden Fraktionen.

Zum Hintergrund: Steterburg mit seinem alten Dorfkern und der ehrwürdigen Stiftskirche taucht eher in Urkunden auf als das Bauerndorf Thiede. Die Siedlung Steterburg hingegen entstand erst 1938 parallel zu den Hermann-Göring-Werken, der heutigen Salzgitter AG. Sie sollte den Familien künftiger Stahlkocher ansprechenden Wohnraum bieten. Am 1. April 1939 wurde Steterburg nach Thiede eingemeindet. Erst drei Jahre später erfolgte die offizielle Stadtgründung.

Die Thieder und Steterburger verband seit jeher eine herzliche Feindschaft. Man betrachtete sich mit Argwohn, traf sich gar gelegentlich zu handfesten Auseinandersetzungen. Zusammenlegungen von Feuerwehr und Vereinen machten dies nicht unbedingt besser. Einer der letzten Aufschreie gellte durch Steterburg als der Arbeitskreis Thiede – selbstredend zuständig für den ganzen Stadtteil – in guter Absicht auf uraltem Steterburg-Territorium ein "Herzlich willkommen in Thiede"-Schild platzierte.

Ein unerschrockener Streiter für die Steterburger Sache ist Adam Flor. In Gebels Film übernimmt er eine der beiden Hauptrollen. Seine Forderung: ein 32. Stadtteil oder wenigstens ein Doppelname. Schließlich sei Steterburg doch groß genug. Die andere gehört Ortsbürgermeister Wilhelm Schmidt. Dieser steht offensichtlich über den Dingen. Einen 32. Stadtteil werde es nicht geben, sagt er.

Ein akribischer Kamera-Streifzug mit Einstellungen aus dem ganzen Ort und einigen Einblendungen aus Gebels umfangreichem Archiv schließt sich an. Ein Jahr hat er an dem Streifen gearbeitet. Hat das Konzept überdacht und viele Interviews geführt. "Meist habe ich die Leute spontan auf der Straße angesprochen", sagt der 61-Jährige. So zum Beispiel das Ehepaar Witt, das schon seit 54 Jahren in derselben Steterburger Wohnung lebt, oder Schlachtermeister Bernd Müller, der den Niedergang des einst blühenden Steterburger Einkaufszentrums, der Langen Hecke, bedauert. Die Kassiererin im Freibad, die Thieder und Steterburger ohnehin nicht auseinanderhalten kann, wenn sie halbnackt herumlaufen. Den Spaziergänger, der zwar in Steterburg lebt, aber unbedingt Thieder sein will, oder die Pastoren des Stadtteils, von denen einer schließlich sagt: "Die Frotzeleien sollten der Vergangenheit angehören. Heute reden wir von weltweiter Ökumene. Da wäre es doch gelacht, wenn wir zu Hause nicht miteinander auskämen."

Thiede oder Steterburg? Gebel schlägt sich auf keine Seite. Sein Film hält den Ist-Zustand fest. Ausgestrahlt wird der Beitrag am Mittwoch, 1. September, um 18.40 Uhr bei TV 38. Fragen beantwortet der Autor unter  0 53 41/2 69 08.

Samstag, 21.08.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/12801409/menuid/2163
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