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06. September 2010
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Giftige Schlacken sollen wasserdicht verpackt werden

Cyanide im Beddinger Grundwasser stammen aus Straßendamm – Geplante Sanierung kostet mindestens 3 Millionen Euro

Von Ingo Kugenbuch

BEDDINGEN. Wie fünf riesige Zungen schieben sich die Gebiete mit dem cyanid-verseuchten Grundwasser von der Industriestraße Nord aus in Richtung Norden. Eine liegt unter den Gärten des Vereins "Morgensonne", andere unter Feldern und Straßen. Die größte züngelt an der östlichsten Ecke Beddingens.

An einigen Stellen dieser aus der Schlackeschicht des Straßendamms herausgespülten Cyanid-Zungen erreicht der Anteil des Gifts 2500 Mikrogramm pro Liter. "Das ist eine deutliche Überschreitung des Maßnahmeschwellenwerts", sagt Geologe Axel Oppermann, "teilweise bis zum Zwölffachen." Sein Ingenieurbüro "geo-log" hat nach jahrelangen Untersuchungen und Messungen die Karte mit den pinkfarbenen CyanidZungen zeichnen können.

"Es besteht keine akute Gefährdung der menschlichen Gesundheit", versichert Oppermann. Das Grundwasser in drei, vier Metern Tiefe sei allenfalls gefährlich, wenn man es trinke. Allerdings: Vorsorglich müsse jede Nutzung dieses Wassers – auch zum Blumengießen – verboten werden. Oppermann: "Das betrifft die Ortschaft Beddingen vollständig." Falls es in diesem Bereich private Brunnen geben sollte, dürften sie nicht genutzt werden.

Es gebe verschiedene Arten von Cyaniden, giftige – wie das Zyankali – und auch harmlose. Ganz wichtig: Cyanide wirkten akut und reicherten sich nicht im Körper an, um ihn dann später zu schädigen, so Oppermann. Das bestätigt auch Hartmut Dunkelberg auf SZ-Nachfrage. Der Medizin-Professor ist Leiter der Abteilung für allgemeine Hygiene und Umweltmedizin an der Uni Göttingen. "Diese Werte sind noch nicht stark auffällig", sagt Dunkelberg, nachdem er sich die Cyanid-Verteilung auf der "geo-log"-Karte angesehen hat. Wenige Milligramm, über den Tag verteilt aufgenommen, seien unproblematisch für die Gesundheit. Nur eine hohe Cyanid-Dosis auf einmal sei gefährlich oder gar tödlich, sagt Dunkelberg.

Tödlich könnten die Cyanide eher für die Stadtkasse werden. Rund 2Millionen Euro wird allein die wasserdichte Abdeckung des Damms der Industriestraße Nord kosten, berichtet Axel Oppermann. Mindestens noch einmal 1 Million Euro müsse für Begrünung und Verkehrsleitsysteme bezahlt werden. Die Abdeckung mit einer Folie, so der Geologe, soll verhindern, dass das Gift durch Sickerwasser herausgewaschen wird. Das scheint die billigste Variante zu sein. Oppermann hat nachgerechnet: Für eine Abtragung und Entsorgung der Schlacken würden 58 Millionen Euro fällig.

"Das wird Auswirkungen auf unseren Haushaltsplan haben", sagt Stadtbaurat Wolfgang Rosenthal. Es sei aber zu prüfen, ob möglicherweise eine Versicherung für die Sanierung aufkomme. In jedem Fall soll möglichst schnell mit der Abdeckung begonnen werden. Trotzdem: "Ein Ende der Bauarbeiten", so Rosenthal, "ist realistisch erst im nächsten Jahr zu erwarten."

Samstag, 15.03.2003
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/1366905/menuid/2163
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