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06. September 2010
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Cyanid im Wasser: "Die werden das Richtige veranlassen"

Erste Reaktionen auf das Gutachten zur Cyanid-Belastung des Beddinger Grundwassers

Von Ingo Kugenbuch

BEDDINGEN. "Wir hatten schon immer diesen Verdacht", sagt Manfred Flomm, während er in seinem Garten unweit der Hauptstraße einen alten Kirschbaum ausbuddelt. Dass die Stadt jetzt offiziell die Belastung des Grundwassers in Beddingen mit Cyaniden aus dem Damm der Industriestraße Nord eingesteht, ist für ihn nur eine Bestätigung.

"Die Stadt wollte damals sparen, und jetzt ist kein Geld für die Sanierung da", schimpft der Beddinger. Damals, vor etwa 30 Jahren, wurden zur Aufschüttung des Damms der Industriestraße giftige Schlacken verwendet. Schlacken, die, so vermutet Geologe Axel Oppermann vom Ingenieurbüro "geo-log", beim Abriss von Hochöfen in der Hütte angefallen sind. Jetzt soll der Damm für mindestens drei Millionen Euro wasserdicht abgedeckt werden, damit kein Regen mehr die Gifte ins Grundwasser spülen kann.

"Man versucht damit jetzt, irgend was gerade zu rücken", sagt Hartmut Leopold, dem diese Verpackung nicht ausreicht. "Wenn man Nägel mit Köpfen machen wollte", sagt der Ortsbürgermeister, "müsste man den gesamten Damm abtragen." Das allerdings würde fast 60Millionen Euro kosten, hat "geolog" errechnet. Der Verwaltung will Leopold jedoch nichts vorwerfen: "Die haben sich Mühe gegeben."

Auch Edith Frömmling, die bis vor wenigen Jahren noch eine Bäckerei in Beddingen unterhalten hat, vertraut der Verwaltung: "Ich denke, die werden das Richtige veranlassen." Trotzdem: "Alle, mit denen ich mich unterhalten habe, sagen: ,Das ist eine Schweinerei, dass die das da eingebaut haben.‘" Nun sei Beddingen doppelt belastet, sagt die 79-Jährige: durch die Cyanide und das geplante Atommüll-Endlager im Schacht Konrad.

Weniger belastet fühlt sich Volker Voges, obwohl seine 1,3 Hektar große Kleingartensparte "Morgensonne" direkt über einem der Hauptausbreitungsgebiete der Cyanide nördlich der Industriestraße liegt. "Wir benutzen kein Grundwasser – wir haben ja nicht mal einen Brunnen", sagt der Vereinsvorsitzende der SZ. Daher sei es auch kein Problem, wenn sich die 53 Kleingärtner die selbst angebauten Möhren in die Suppe schnitten.

Offiziell gibt es in Beddingen nur fünf Brunnen – diese wurden gemeldet, nachdem die SZ vor zwei Jahren über die Cyanid-Suche berichtet hatte. "Wir werden jetzt die Nutzung untersagen", berichtet Michael Buntfusz vom städtischen Umweltamt. "Die Besitzer werden in den nächsten Tagen Post von uns bekommen." Wenn das Wasser aus privaten Brunnen weder zum Blumengießen noch zum Trinken genutzt werde, bestehe "keine akute Gefährdung der menschlichen Gesundheit", hatte "geo-log"-Geschäftsführer Axel Oppermann bereits am Freitag versichert.

Übrigens: Beide alt eingesessenen Beddinger Manfred Flomm und Edith Frömmling sind sich sicher, dass es in den Gärten ihres Stadtteils weit mehr als jene gemeldeten fünf Brunnen gibt.

Dienstag, 18.03.2003
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/1375845/menuid/2163
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