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13. Februar 2012
2-Tage-Vorschau

Klatschen und trampeln – nur nichts vorsagen

Vier Salzgitteraner Teams reisten zur Aufzeichnung der Show "1fach Super!" von Kinderkanal und ZDF – Ausstrahlung am 10. Oktober

Von Kerstin Loehr

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ERFURT. "Handys aus, Kaugummis raus, nichts vorsagen und wenn jemandem schlecht wird, bitte sofort Bescheid sagen." Das sind die letzten Anweisungen von Marike, einer Mitarbeiterin des Kinderkanals, bevor sich die Eisentür in eine andere Welt öffnet: Blaue, rote und gelbe Scheinwerfer, staksige Kamera-Arme und riesige Monitore herrschen hier, Menschen werden wie Marionetten durch die Hitze getränkte Luft gelenkt.

Wenn an dieser Tür die rote Lampe "on air" leuchtet, wird drinnen gedreht: Heute steht die Quizshow "1fach Super!" auf dem Programm des Kinderkanals (Kika) in Erfurt: Jeweils zwei Jungen und zwei Mädchen treten gegeneinander an. Wer die Nase vorn hat bei den kniffligen Fragen aus Wissenschaft, Technik und Natur, nimmt einen Pokal mit nach Hause und einen Gutschein für eine Reise. "Wer wird Millionär?" für Kinder.

Kurz vor 16 Uhr. Die beiden Salzgitteraner, Philipp (13) und Ludwig (11) Schüßler, sind mit 20 Fans per Bus sicher in Erfurt gelandet und stehen in blauen "1fach-Super!"-T-Shirts am blauen Pult im Studio. Ihre Konkurrentinnen Sabrina und Sally aus Itzum, Landkreis Hildesheim, in roten T-Shirts sind am roten Neben-Pult platziert. Die Maske – ein bisschen Gel in die Haare und jede Menge Puder aufs Gesicht – haben die vier hinter sich. "Wir wollen gewinnen", hatte Philipp im Bus verkündet. Und: "Ohne Optimismus kommt man nicht weiter." Ludwig ist vorsichtiger: "Wir gehen mit Spaß rein, wenn wir verlieren, ist das auch okay."

Die Kamera schwenkt links: Die Fangemeinden aus Salzgitter und Hildesheim sind mitten im "Warm-Up": Sie sitzen auf roten Sitzbällen oder Bänken, üben das Klatschen und Trampeln, und "1fach Super!"-Moderator Andreas Korn – Jeans im Used-Look, dunkelblaues Shirt, weißer Gürtel, weiße Turnschuhe – erklärt einem Mädchen: "Wenn ich gleich reinkomme, springe ich auf deinen Schoß." Er kommt und springt und kommt noch mal und springt – das muss reichen.

Moderator im Used-Look

Eltern und Großvater des Salzgitteraner Teams sitzen in der hinteren Reihe: Ulrike Schüßler hat schon den ganzen Tag lang "Schmetterlinge im Bauch", auch Opa Karl ist aufgeregt – "ich hätte mir so ein Studio viel größer vorgestellt", nur Vater Thomas sieht’s locker: "Ich mache mit – für die Kinder".

Licht an! Moderator Andreas Korn streicht zum x-ten Mal seine gegelten Haare platt, verschwindet hinter der Bühne, die Kameras werden in Position gebracht, die Aufzeichnung beginnt: Wie’s das Drehbuch vorsieht, klatschen und trampeln die Fans, der Moderator springt auf den Schoß des Mädchens und hüpft leger auf die Bühne. Dorthin, wo Philipp und Ludwig, Sabrina und Sally bereits den Fragen entgegenfiebern. "Wer brachte die ersten Jeans auf den Markt – Levi Strauss, Robert Wrangler oder...?" Mädels und Jungs zögern, entscheiden sich per Knopfdruck – beide Teams tippen falsch. Levi Strauss wäre die richtige Antwort gewesen.

Ein Schwenk auf die Teams, Cut, kurzer Umbau, schon folgt die obligatorische "1fach Super!"-Info: Vier Mädels aus dem Publikum waren vor der Aufzeichnung ausgewählt, in Jeans gesteckt und kurzerhand in Models umfunktioniert worden. Während sie über den Laufsteg schreiten, lüftet der Moderator das Geheimnis der Jeans-Geschichte.

"10,9,8,7,6,5,4,3,2,1", tönt es laut, wieder wird geräumt, für den Moderator gibt’s Wasser und Puder. Die Stimmung: hektisch. Doch bevor das Quiz weiter geht, ist Enzo Paolo an der Reihe. Der Mann aus Heilbronn hält den Weltrekord im Spielwürfelstapeln: 22 schafft er bisher, jetzt will er es mit 23 versuchen. Die Kamera läuft: Paolo füllt die Würfel in eine leere Plakatrolle, schüttelt, ruckelt und wackelt sie hin und her, stoppt und lüftet die Würfel: 22 stehen, einer liegt. "Wette verloren..." würde es bei Thomas Gottschalk jetzt über den Bildschirm dudeln.

Zurück zum Quiz: "Was ist die giftigste Schlange?", fragt Andreas Korn. Philipp und Ludwig wissen’s: der Taipan", sagt Philipp. "Mein Bruder hat die lautere Stimme, deswegen hat er immer geantwortet", wird Ludwig später erzählen.

"Ist die MS Deutschland das größte Schiff?" Beide Teams sagen nein. Philipp: "Das ist die Queen Mary II", die fährt morgen um 11.30 Uhr an Cuxhaven vorbei." Der Moderator stutzt. Er weiß nicht, dass Philipp die Titanic liebt, einmal Schiffsbauingenieur werden will und gestern bereits wieder von Cuxhaven auf der Fähre ins Neuwerk-Zeltlager der Stadt Salzgitter unterwegs war.

Noch ein paar Fragen bis zum Finale. Der Punktestand: 4:4. Alles ist offen. Wer wird gewinnen – die Jungen oder die Mädchen? Die Entscheidung fällt auf der Treppe: Dort steht jeweils einer vom Team, während der andere im Duell Fragen beantworten muss. Doch zuvor steht eine größere Pause an: Die Fans stürmen nach draußen – alle haben Durst, greifen gierig nach den Wasserbechern, die das Kika-Team bereit gestellt hat. "Es ist toll, aber so heiß", sagt Madeline Rohmann, und ihre Freundin Vanessa Cramm – eine der vier Jeans-Models – nickt und schwärmt: "Das stimmt, aber die Leute sind total nett. Besonders der Moderator Andreas Korn. Der hat uns sogar Autogramme gegeben."

"Aufgeregt war ich nicht"

Alle umringen Ludwig und Philipp. "Ich bin eigentlich ein sehr nervöser Typ, aber aufgeregt war ich nicht, ich wusste ja, dass es nur eine Aufzeichnung ist. Das ist so, als würde man eine Mathearbeit zur Probe schreiben", erzählt Philipp. Nur das lange Stehen und die Hitze durch die Lampe seien auf die Dauer anstrengend, fügt sein Bruder hinzu und sagt: "Ich gehe auf die Treppe, Philipp ist schon in der achten Klasse, da weiß man einfach mehr."

20 Minuten später geht’s um Schnelligkeit – wie einst bei Wim Thoelkes "Der Große Preis". Andreas Korn: "Wie heißt die Schiffsküche?" Philipp drückt, sagt: "Kombüse" – ist ja sein Spezialgebiet. Ludwig darf eine Stufe höher. Der Moderator fragt, Philipp drückt: Wieder richtig! Bei der Frage nach der EU, der Europäischen Union, ist das Mädchen flinker. Die Spannung steigt. Doch Ludwig ist nicht zu stoppen. Er drückt und antwortet, zuletzt: "Wie heißt unser Außenminister?" "Joschka Fischer", kommt es wie aus der Pistole geschossen. Gleichzeitig geht ein Feuerwerk los. Die Brüder haben gewonnen.

Für Luca, mit sieben Jahren der kleinste Fan, war dieser Moment der schönste: "Das mit den Raketen fand ich toll", sagt er, strahlt und streicht sich die feuchten Haare aus der Stirn. Kein Wunder: 2 1/2 Stunden Busfahrt – die Rückfahrt steht noch bevor – und 1 1/2 Stunden Aufzeichnung sind trotz der perfekten Organisation durch die Eltern Schüßler kein Pappenstiel.

Und was kommt raus? 25 Minuten Sendung, zu sehen am 10. Oktober auf dem Kinderkanal (Uhrzeit steht noch nicht fest). Viel wichtiger aber noch: "Es war ein unvergesslicher Tag", sagen Philipp und Ludwig wie aus einem Mund.

Mittwoch, 21.07.2004
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/3030350/menuid/2163
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