Neue Technik gegen Cyanide
Sanierung der Industriestraße Nord beginnt im nächsten Jahr an den Beddinger Ohren
BEDDINGEN. Nun ist es endlich so weit. Den Cyaniden im Beddinger Grundwasser soll es vom nächsten Jahr an gründlich an den Kragen gehen.
Im Ortsrat Nordost stellten Torsten Ruhe von der Ingenieurgesellschaft iwb und Axel Oppermann vom Ingenieurbüro geo-log ihr Sanierungskonzept für die seit Jahren als Schadstoffquelle ausgemachte Industriestraße Nord vor. Bei deren Bau in den 70er-Jahren ist cyanidhaltige Schlacke verwendet worden. Das Gift wird vom Regen ausgewaschen und gelangt so ins Grundwasser.
Die so genannten Beddinger Ohren – gemeint ist der Bereich um die Auf- und Abfahrten in Höhe der K 16 – werden wie eine Mülldeponie mit Folie abgedichtet, weil der Untergrund dort keine andere technische Lösung zulässt. Kosten: 2,28 Millionen Euro. Diese Arbeiten können vorbehaltlich der Zustimmung des Verwaltungsausschusses bereits im nächsten Jahr beginnen. Im Zuge dieses Bauabschnitts wird im Übrigen auch der Fahrbahnbelag saniert – ein Umstand, der lärmgeplagte Anwohner der K 16 aufhorchen lässt. Über die wellige Straße rumpelnde Lastwagen lassen sie seit Jahren kaum zur Ruhe kommen.
Wenn die "Ohren" abgedichtet sind, werde es spätestens in drei Jahren zu einer deutlichen Schadstoffreduktion kommen, versprach Oppermann.
Entgegen der ursprünglichen Planung soll mit dem Bereich zwischen den "Ohren" und der westlich gelegenen K 12 auf andere Art verfahren werden. Dort lässt der Untergrund den Bau einer so genannten reaktiven Wand zu. Sie wird etwa neun Meter in die Erde eingelassen und nimmt an Durchlässen, die im Abstand von 100 Metern angeordnet werden, das vom Straßendamm abströmende Wasser auf. Spezielle Substanzen in diesen Durchlässen absorbieren die Cyanide, sauberes Wasser verlässt die Schleusen.
"Diese Technik hat zum einen den Vorteil, dass sie die Schadstoffquelle auslaugt, und zudem ist sie auch kostengünstiger", sagte Oppermann. Nach gegenwärtigem Planungsstand ergibt sich bei Gesamtkosten von zirka 6,8 Millionen Euro laut Vorlage eine Ersparnis von etwa 700 000 Euro.
Deutschland sei in der Forschung zu reaktiven Wänden weltweit führend. Allerdings seien Cyanide, obwohl sie in vielen Bergbaustädten Probleme bereiteten, bisher nie behandelt worden. Daher, so Oppermann, bestehe an den Universitäten Kiel und Tübingen großes Interesse an dem Projekt und somit auch die Chance, dass Forschungsgelder nach Beddingen fließen. Beide Hochschulen sollen in die Sanierung der Industriestraße Nord einbezogen werden.
Weitere Vorteile der reaktiven Wand:
Das Sanierungsziel in Beddingen wird früher erreicht.
Die Unterhaltung der Industriestraße ist wesentlich weniger aufwändig. Im Bereich der "Ohren" dürfen keine Bäume oder Büsche mehr wachsen, weil sie die Deponieplane zerstören könnten.
Die Voruntersuchungen werden sechs bis acht Monate brauchen, sagte der Geologe. Ende des nächsten Jahres meint er, eine detaillierte Lösung vorstellen zu können. Bis zur Baureife werde es dann noch etwa zwei Jahre dauern.













