Handys in der Klinik weiter tabu
Empfindliche medizinische Geräte durch Mobilfunk in Gefahr? Salzgitter geht auf Nummer sicher
SALZGITTER. "Keine Handys!" Die plakative Ansage für Patienten und Gäste in Salzgitters Kliniken ist klar: Mobilfunk ist nicht erwünscht, weil medizinische Geräte gestört werden könnten. Auch wenn andere Krankenhäuser inzwischen zu anderen Ergebnissen gekommen sind: In Salzgitter soll das Verbot Bestand haben.
Während die Aufhebung des Handyverbots in Krankenhäusern in Fachzeitschriften noch kontrovers diskutiert wird, hat das Klinikum Region Hannover schon Nägel mit Köpfen gemacht. In zwölf Krankenhäusern von Springe bis Neustadt darf nach Herzenslust telefoniert und gesimst werden.
Keine negativen Erfahrungen
"Es gibt keine nachvollziehbaren Erkenntnisse, dass Handys den technischen Betrieb stören", meint Klinikum-Pressesprecher Bernhard Koch. "Seit der Liberalisierung Ende März haben wir keine negativen Erfahrungen gemacht", sagt er und verweist auf entsprechende Tests an großen Kliniken in den USA.
Lediglich in der Nähe von Kernspin-Computern seien Handys tabu. "Angesichts des starken Magnetfelds aber eher zum Schutz der Handys." Der Service stehe im Mittelpunkt, alte Zöpfe könnten nun abgeschnitten werden.
Die Salzgitteraner gehen weniger euphorisch an die Sache heran: "Die Studien, die es zu diesem Thema gibt, können noch nicht abschließend bewertet werden", sagt Florian Neumann, Sprecher des Klinikums in Salzgitter, "eine Gefährdung der Patienten kann nicht ausgeschlossen werden." Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft sei der Auffassung, dass elektronische medizinische Geräte nach heutigen Erkenntnissen durch Mobilfunk gestört werden könnten. "Die Hersteller der Medizintechnik verweisen darauf, dass zum Beispiel Beatmungsgeräte durch Handywellen negativ beeinflusst werden können", sagt Neumann.
"An erster Stelle steht die Sicherheit der Patienten", sagt Neumann. Das Thema werde zwar weiter diskutiert, doch erst bei 100-prozentiger Gewissheit, dass negative Einflüsse ausgeschlossen werden können, werde das Verbot aufgehoben. "Wer im Klinikum ein Handy benutzt, wird von unseren Mitarbeitern freundlich darauf hingewiesen, dass das verboten ist", berichtet Neumann über den Umgang mit Telefon-Sündern.
Warnung vor "Handymanie"
"Die ruhige Atmosphäre im Krankenhaus sollte nicht durch klingelnde Handys gestört werden", will Neumann auch ausgeschlossen sehen, dass die mögliche Freigabe zu einer "Handymanie" führt.
Spielen finanzielle Überlegungen angesichts der in Kliniken üblichen Mietapparate eine Rolle? Neumann verneint: "Das Klinikum erzielt seine Einnahmen durch Gesundheitsdienstleistungen", unterstreicht er.
Auch im St.-Elisabeth-Krankenhaus in Bad sind Handys nicht willkommen. "Das bleibt auch so", bekräftigt der technische Leiter der Klinik, Wolfgang Rost, "manche Mikroprozessoren könnten anfällig sein". Gesicherte Erkenntnis gebe es zwar nicht, aber man wolle auf Nummer sicher gehen.











