Tierheim überfüllt: Aufnahmestopp
Weihnachtsgeschenke werden ausgesetzt Besitzer hängen Meerschweinchen an Baum
LEBENSTEDT. Belinda zittert und strampelt. Es ist eng und kalt, und richtig festen Boden bekommt sie trotz aller Anstrengung einfach nicht unter die kleinen Füße. Das zierliche Meerschweinchen steckt in einem Leinenbeutel, den herzlose Besitzer am Schäferstuhl in einen Baum gehängt haben.
Belinda hatte Glück. Ein Spaziergänger fand das etwa ein Jahr alte Meerschweinchenmädchen, weil sein Hund auf das zappelnde Bündel aufmerksam wurde. "Das ist nur eines von vielen Weihnachtsgeschenken, die bei uns gelandet sind", ist Tierheimleiterin Sonja Nagler erbost und traurig zugleich. "Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Viele Menschen haben keinen Respekt mehr vor Tieren."
Das Tierheim in der Neißestraße platzt inzwischen aus allen Nähten. "Wir haben so viele Tiere, dass wir keine neuen mehr aufnehmen können", ist Nagler verzweifelt und hofft darauf, in den nächsten Tagen und Wochen möglichst viele der Tiere vermitteln zu können. Vor allem Hunde und Katzen, aber auch Kaninchen sind in den vergangenen Wochen im Tierheim gelandet. "Oft sind die Besitzer zu feige, sie bei uns abzugeben. Sie setzen die Tiere einfach aus, überlassen sie ihrem Schicksal", sagt Nagler und verweist darauf, dass dies eine Straftat sei, die sie durchaus zur Anzeige bringe.
Zwei Käfige mit jeweils zwei Kaninchen habe die Polizei kürzlich an der Kreisstraße zwischen Gebhardshagen und Lobmachtersen gefunden. "Die hatte jemand einfach am Straßenrand abgestellt", ist Nagler entrüstet. Kater Donald wurde am Greifpark sogar aus einem fahrenden Auto geworfen. "Ein Passant hat das gesehen und uns verständigt", berichtet die Tierheimleiterin. So, wie diesen Tieren, erging es vielen. Mischling Bolle: ausgesetzt an der Nord-Süd-Straße. Leonberger-Mix Josef: ausgesetzt im Stadtpark. Und, und, und.
"Tiere sind keine Geschenke", macht Nagler deutlich. "Wer sich eines zulegt, muss sich im Klaren sein, dass die Anschaffungskosten das Geringste sind. Man muss auf Jahre im Voraus denken." Für ein Tier brauche man Zeit sowie Geld für Futter und Tierarzt und auch die Kastration sei wichtig. Denn: "Das Kastrieren einer Katze oder eines Katers ist auch Tierschutz", erklärt Nagler und verweist auf die alljährlich im Frühjahr bevorstehende Katzenkinderschwemme. "Viele Katzen bringen ihre Jungen draußen zur Welt. Oft liegen die Katzenbabys irgendwo unentdeckt und sterben", sagt sie.
21 Hunde, 86 Katzen, 27 Kaninchen und 1 Meerschweinchen warten derzeit auf neue Besitzer.













