"Elias" gelingt wuchtig und lyrisch
Kantoreien von St. Marien und St. Thomas führen Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy auf
Es war ein großer Abend: grandiose Musik und lyrische Töne. Es war ein virtuoser Abend voller Genuss für die mehr als 600 Zuhörer.
Nahezu 130 Sänger der Kantorei St. Marien und der Thomas-Kantorei, ein Orchester und vier Solisten haben am Sonntagabend in der Trinitatis-Kirche ein ausdrucksstarkes und handwerklich famoses Konzert gegeben: kraftvoll, berührend, dicht und stark, mit poetischer Leichtigkeit – bewegend.
Der "Elias" von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 bis 1847) ist nicht nur ein zweieinhalbstündiges musikalisches Erlebnis von alttestamentlicher Wucht und Lyrik, sondern auch permanente Herausforderung an das Können aller Beteiligten.
Im 200. Geburtsjahr des großen Komponisten haben es die Kantoreien St. Marien und St. Thomas unter Leitung von Almuth Bretschneider (1. Teil) und Hans-Hermann Haase (2. Teil) gewagt, dieses nicht oft gespielte Werk zu interpretieren.
Mendelssohn Bartholdy griff mit der Figur des Elias sowohl Fragen der Religion als auch der Aufklärung auf. Fragen zu Identität und Sozialisation werden aufgeworfen.
Bass Martin Senftleben zeigte sich mit seinem Stimmvolumen in der Figur des Elias als enorm tragfähig, zog sämtliche Register: Er flehte, zürnte, zweifelte. Kristallklar sang Sopranistin Jacqueline Treichler. Altistin Uta Grunewald und Tenor Christoph Rosenbaum nutzten nuanciert den Rahmen für vielfältige gestalterische Farbkraft.
Der Chor brillierte in der Feinzeichnung seines Stimmvolumens. Furios und gelungen, wie die beiden Kantoreien die Hysterie der Masse in der Anrufung ihres Götzen Baal ausdrückten. Wunderbar, aber anrührend, einfach großartig, leicht und beschwingt der Satz in Chordominanz "Hebe deine Augen auf zu den Bergen".
Die etwa 40 Instrumentalisten der Radiophilharmonie des NDR meisterten einen ständigen Wechsel turbulent-heftiger und lyrisch-zarter Klangfiguren.
Ein starkes Orchester – streckenweise allerdings zu stark.













