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04. Februar 2012
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Schleudergang für bekanntes Liedgut

Die A-Capella-Gruppe Waschkraft begeistert mit einem respektlosem Auftritt im Schlosshof

Von Marion Kanther

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WOLFENBÜTTEL. Das Reinheitsgebot für deutschsprachige A-cappella-Comedy-Boygroups ist noch nicht festgeschrieben. "Waschkraft" schickt sich jedoch an, qualitative Standards zu setzen. Im Innenhof des Schlosses stellten sich die vier Jungs vom Rhein in maßgeschneiderten breiten Nadelstreifen-Anzügen mit farblich angepassten Westen als Männergesangverein vor und bettelten um die Gunst der Wolfenbütteler.

Beizeiten gab sich das "intellektuellste Publikum der Republik" geschlagen von der zur Schau getragenen Artigkeit der Saubermänner und ihren "Schleimspuren". Danach hatte das kabarettistische Vokal-Ensemble aus Düsseldorf leichtes Spiel.

Musiker ohne Instrumente

Immo Blumhoff, mit 42 Jahren der älteste der Truppe, Ansgar Machalicky, Peter Moslener und Peter Philipp, Chef und Moderator des Abends, zogen ein musikalisches Waschprogramm durch, dessen Schleudergänge es in sich hatten. Der Rüttel-Prozedur unterzogen sich die bekennenden "Problemfälle" vorzugsweise in karikierenden Selbstdarstellungen, als "der Mann von der Frau von Richard Gere", als Suchende in Sachen Liebe, Mitleid heischende Verirrte und als Sänger, denen Musikinstrumente zu teuer sind und die deshalb aus der Not eine Tugend machen.

Karnevalslied als Choral

Schonwaschgänge hatten die "formschönen Herren" im seriösen Outfit nicht im Programm. Darunter litten deutsches Liedgut, respektlos umgetextet, und klassische Kompositionen, zurechtgebogen nach Waschkraft-Art.

Umwerfend komisch präsentierte das Quartett karnevalistische Stimmungslieder in Choralform und verpasste auch dem Radetzky-Marsch individuelle Noten zu choreographischen Absurditäten.

Beim angeblichen Bemühen, auf die Wünsche des Publikums einzugehen, betätigten sich die "chaotischen Vier" mit ihren textlichen und kompositorischen Unikaten als Experimentierende mit der Musikgeschichte und verwischten die Grenzen der Stilrichtungen. Geschulte Stimmen und lockeres Mundwerk machten es möglich. Die Besucher des Gastspiels sparten nicht mit Beifall für Heavy Metal auf Luft-Gitarren, schottische Folklore ("Ein Sack und drei Pfeifen") und weich gespülte Balladen wie die von der "Made in der Fichtenschonung" und ließen die rheinischen Stimmakrobaten erst nach mehreren Zusatz-Waschgängen von der Bühne.

Montag, 20.07.2009
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/10659566/menuid/2164
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