"Wir lassen uns überraschen"
Nach dem Abschluss der bisherigen Ausgrabungen an der "Isiburg" wurde nun ein neues Stück abgesteckt
ISINGERODE. Mehr als vier Jahre haben die Ausgrabungen an der "Isiburg" gedauert. So wird die Wallanlage östlich von Isingerode genannt. Jetzt ist klar: Die Isiburg war einer der wichtigsten Handelsplätze seiner Zeit.
Ursprünglich hatte sich das Ausgrabungsteam um den Archäologen und Leiter des Landesmuseums Wolf-Dieter Steinmetz nur eine Datierung der Wallanlagen erhofft, um weitere Erkenntnisse für Ausgrabungen in der Umgebung zu erlangen. Ein Schnitt durch den Wall wurde dafür angesetzt.
Dann aber stießen die Archäologen unerwartet auf eine "unglaublich reichhaltige Substanz", wie Steinmetz sagt. "Unsere ursprünglichen Erwartungen wurden bei weitem übertroffen." In der Folge wurden die Ausgrabungen ausgeweitet. Wissenschaftliche Messungen wurden vorgenommen und ein Luftbild der Anlage erstellt. Dabei stellte sich heraus, dass die Anlage deutlich größer war als angenommen. Eine gut befestigte Zentralsiedlung, vermutlich ein wichtiger Handelsplatz.
Denn als Grenzsiedlung von den Kulturgebieten östlich und westlich der Oker wurde sie in der jungen Bronzezeit mehrfach niedergebrannt und nach jeder Brandkatastrophe stärker befestigt und teilweise größer wieder aufgebaut. Nach fünfhundertjähriger Siedlungspause erstand sie in der frühen Eisenzeit um etwa 15 v. Chr. neu, hielt aber nur etwa dreißig Jahre bis sie erneut niederbrannte.
Interessant dabei ist auch, dass die Kulturgrenzen über Hunderte von Jahren weitgehend gleich blieben, was laut Steinmetz vermutlich durch Faktoren wie Klima, Boden und den damals noch sumpfigen Fluss der Oker gegeben war.
Möglich wurden die äußerst sorgfältigen und deshalb langwierigen Ausgrabungen nur durch viele tausend Stunden ehrenamtlicher Arbeit und die Finanzierung der Grabungsgeräte, Technologien und weiterer Kosten durch den Förderverein "FABL", wie Steinmetz angibt. Auch stellte der Pachteigentümer das Gelände bereitwillig zur Verfügung.
Heute sind die Arbeiten abgeschlossen und die Ausgrabungsstelle zugeschüttet. Jetzt will das Ausgrabungsteam die Innenbesiedlung der Anlage erforschen. Dazu wurde ein etwa 10 mal 15 Meter großes Feld direkt neben der alten Ausgrabung abgesteckt. "Wir erhoffen uns weitere Erkenntnisse über die Funktion der Siedlung. Gab es dort Handwerk oder finden wir weitere Spuren von Handel? Vielleicht gab es sogar kultische Plätze?" Voller Vorfreude schließt er: "Wir lassen uns überraschen."













