An der Asse macht sich Entsetzen breit
Reaktionen auf die vermutliche Einlagerung von verstrahlten und verbrannten Leichenteilen im Atomschacht
WOLFENBÜTTEL. Bei einem Unfall im Kernkraftwerk Gundremmingen in Bayern waren 1975 zwei Betriebsschlosser tödlich verunglückt. Stark verstrahlte Teile ihrer Leichen sollen verbrannt und im Atomschacht Asse entsorgt worden sein.
"Ich bin entsetzt. Das ist makaber und pietätlos", kommentiert Regina Bollmeier, Bürgermeisterin der Samtgemeinde Asse. Sie frage sich, welche Schreckensmeldungen noch kommen könnten. Ebenso sieht es Ruth Naumann, Bürgermeisterin der Samtgemeinde Schöppenstedt. "Mir stehen die Haare zu Berge. Was muss in den Angehörigen vorgehen? Schlimmer kann es nicht mehr kommen, oder?"
"Es ist grotesk, wie mit dem Leid von Menschen umgegangen worden ist", sagt Landrat Jörg Röhmann. Dass die Angehörigen nach so vielen Jahren wieder mit dem Leid konfrontiert würden, täte ihm sehr leid. "Wir sollten uns darüber klar sein, dass in die Asse nicht nur Abfälle aus Kliniken wie Gummihandschuhe eingelagert wurden, sondern offenbar viel mehr", so Röhmann.
"Der Skandal ist nicht so sehr, dass hier möglicherweise nach Gesichtspunkten des Strahlenschutzes mit einzelnen radioaktiv kontaminierten Körperteilen der Opfer des AKW-Unfalls umgegangen wurde. Der Skandal ist vielmehr, dass dieses den Angehörigen und der Öffentlichkeit offenbar nicht klar gesagt worden ist. Mit der Wahrheit fertig zu werden ist wohl eher möglich, als mit Ungewissheit und Unwahrheiten leben zu müssen", sagt Pastor Andreas Riekeberg, Pastor in der St.-Thomas-Gemeinde.
Im übrigen finde er im Bezug auf die Asse derzeit die Frage nach dem zukünftigen Umgang mit dem dort gelagerten Atommüll das drängendste Problem.
Der Leiter der Schöppenstedter Tschernobyl-Initiative Paul Koch meint: "Wenn das stimmt, ist es eine Pietätlosigkeit ohne gleichen. Mir tun die Angehörigen leid." Er empfehle trotz allem, ruhig zu bleiben.
Heike Wiegel vom Verein Aufpassen sagt: "Mittlerweile würde mich gar nichts mehr wundern. Es zeigt, wie schwer es ist, eine Inventarliste der Asse zu erstellen. Man hat den Eindruck, dass bewusst nicht alles verzeichnet wurde. In der Asse liegt der gefährlichste Müll, den wir haben, und man hat offenbar alles durcheinandergeschmissen."













