Chinas Weg in die Moderne
Bibliotheksdirektor Helwig Schmidt-Glintzer stellt sein neues Buch vor
WOLFENBÜTTEL. China macht Angst. Im Bewusstsein des Westens gilt China als Herausforderung der universalen Werte liberaler Gesellschaften. Doch umgekehrt gilt dasselbe.
Es sind die freiheitlichen Ideale der westlichen Gesellschaft, die die traditionellen chinesischen Ordnungsmuster erschüttern und ehemals feste Orientierungspunkte auflösen. China hat Angst vor der Freiheit.
Helwig Schmidt-Glintzer, Direktor der Herzog-August-Bibliothek und Professor für Sinologie an der Universität Göttingen, präsentierte in einer Matinee der Buchhandlung Steuber sein neues Buch. "Chinas Angst vor der Freiheit. Der lange Weg in die Moderne." Unter diesem Titel widmet sich Schmidt-Glintzer der Thematik der politischen Freiheit in China. Dabei diskutiert er die aktuelle Entwicklung des Landes vor dem Hintergrund seiner historischen und geistigen Traditionen.
Hinter dem "etwas provozierenden" Titel seines neuen Buches, müsse man "viele Fragezeichen setzen", so Schmidt-Glintzer. Die von ihm genannte "Angst Chinas" beziehe sich auf die "Angst, vor der sich im Rahmen der Globalisierung eröffnenden Handlungsmöglichkeiten".
Erschwerend für die politische Entwicklung des Landes käme die Angst vor Protest in der Bevölkerung, aber auch vor Unmut der eigenen Parteimitglieder hinzu. Traditionell gelte in China das "Wohlergehen der Bevölkerung als Maßstab für die Politik", so Schmidt-Glintzer.
Die Rolle Europas sieht der Sinologe darin, "gemeinsam mit China einen Weg der Hoffnung" zu beschreiten. Man dürfe niemanden "auf die Anklagebank setzen", bevor man nicht miteinander ins Gespräch gekommen sei.
Und die Gesprächsbereitschaft Chinas sei durchaus vorhanden. Das offizielle China interessiere sich sehr dafür, wie die Außenwelt es sehe. Abschließend mahnte Schmidt-Glintzer, dass man "zunächst vor der eigenen Haustür kehren" sollte, bevor man glaube, andere belehren zu müssen.













